Ärzte Zeitung online, 25.03.2009

Hilfe für Osteoporose-Patienten mit Wirbelbrüchen

Hannover (eb). Erste Ergebnisse einer Lancet-Studie belegen den Nutzen der Ballonkyphoplastie für Patienten mit osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen.

Wirbelkörperfrakturen durch Osteoporose machen etwa die Hälfte aller osteoporosebedingten Brüche aus. Sie führen oft zu erheblichen Schmerzen und einer Minderung der Lebensqualität. Neben der verbesserten medikamentösen Therapie der Osteoporose steht seit wenigen Jahren eine operative Methode zur Behandlung schmerzhafter Wirbelkörperbrüche zur Verfügung: die Ballonkyphoplastie. Die Ergebnisse einer Studie zur Methode der Ballonkyphoplastie wurden jetzt in der Fachzeitschrift "The Lancet" vorgestellt (Wardlaw et al., Lancet 2009).

Bei dem minimalinvasiven Verfahren werden über zwei kaum ein Zentimeter große Hautschnitte unter Röntgendurchleuchtung Ballonkatheter in den Wirbelkörper eingebracht. Unter ständiger Röntgenkontrolle werden die Ballone im Wirbelkörper entfaltet und führen so zu einer zumindest teilweisen Wiederaufrichtung des eingebrochenen Wirbelkörpers. Anschließend werden die Ballonkatheter entfernt, der verbliebene Hohlraum mit einem besonders zähflüssigen, speziellen Knochenzement aufgefüllt. Neben der Verbesserung der äußeren Form der Wirbelsäule wird so der gebrochene Wirbelkörper von innen stabilisiert, was in der Regel die Schmerzen unmittelbar lindert.

Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa 45 Minuten. Die meisten Patienten können sofort mobilisiert werden und das Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen. Im Vergleich zur konservativen Behandlung können so länger andauernde Schmerzen und eine Einschränkung der Mobilität vermieden werden.

Die Studie wurde seit 2003 in 21 Zentren in acht europäischen Ländern durchgeführt. Insgesamt wurden 300 Patienten eingeschlossen und zur Hälfte entweder konservativ behandelt, das heißt mit Schmerztherapie, Osteoporosetherapie und Krankengymnastik, oder zusätzlich mit der operativen Therapie mittels Ballonkyphoplastie. Die Patienten wurden über zwei Jahre regelmäßig in Bezug auf Lebensqualität, Rückenschmerzen und mögliche Komplikationen nachuntersucht.

In den nun publizierten Ergebnissen bis zur Ein-Jahres-Kontrolle zeigten sich dabei sowohl kurzfristig, das heißt nach einer Woche und nach einem Monat, als auch im Mittel über ein Jahr signifikante Verbesserungen. Die sogenannte "FREE-Studie" ist dabei die erste randomisierte, prospektive Studie überhaupt in der operativen Behandlung osteoporosebedingter Wirbelkörperfrakturen.

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