Ärzte Zeitung online, 31.03.2009

Osteoporose: Schuld sind nicht allein die Wechseljahre

MÜNSTER (eb). Ein internationales Forscherteam entdeckt neue Erklärungen für die Entstehung der Osteoporose: Eiweiße steuern den Reifungsprozess der Knochenfresszellen.

Aufgrund ihrer großen Verbreitung gilt Osteoporose als Volkskrankheit. Sie ist deshalb besonders heimtückisch, weil Patienten sie zunächst nicht spüren und die Diagnose zumeist erst dann gestellt wird, wenn es bereits zu Knochenbrüchen kommt. Betroffen sind vor allem Frauen jenseits des 50. Lebensjahres, denn ein Mangel des Hormons Östrogen ist eine zentrale Ursache für die Erkrankung. "Aber nicht die einzige", sagt Professor Thomas Pap, Direktor des Instituts für Experimentelle Muskuloskeletale Medizin der Universität Münster. "Entscheidend dafür, dass niedrige Hormonspiegel in den Wechseljahren zur vermehrten Bildung von Knochenfresszellen und damit zum Knochenverlust führen, ist die erhöhte Empfindlichkeit dieser Zellen gegenüber Reifungssignalen von außen."

Wie diese Empfindlichkeit reguliert wird, hat jetzt ein österreichisch-deutsches Wissenschaftlerteam unter der Leitung des Wiener Professors Kurt Redlich herausgefunden (Nature Medicine online vorab, März 2009).

Demnach wird bei Patienten mit Osteoporose die Reifung der Knochenfresszellen, sogenannter Osteoklasten, wesentlich dadurch bestimmt, dass diese Zellen empfindlicher für Signale sind, die ihre Reifung auslösen. Die Zellen tragen Eiweiße auf ihrer Oberfläche, die wie Antennen funktionieren und entsprechende Signale empfangen können. Das wichtigste dieser Eiweiße heißt RANK. Es steuert ganz zentral die Entstehung von Osteoklasten im Knochen und trägt damit unmittelbar zum Knochenabbau bei - gerade auch bei Osteoporose. Wird umgekehrt RANK nicht oder nur gering gebildet, sind also die Antennen der Zellen nicht ausgefahren, kommt es trotz niedriger Hormonspiegel und der damit verbundenen Veränderungen nicht zur Bildung der Knochenfresszellen.

Die jetzt veröffentlichte Arbeit zeigt einen bisher unbekannten, aber offenbar zentralen Weg, über den RANK gebildet und somit das Ausfahren der Antennen reguliert wird: Die Wissenschaftler konnten erstmals nachweisen, dass ein bestimmtes Signaleiweiß, nämlich CCR2, zumindest in Mäusen an der Bildung von RANK zentral beteiligt ist und dass ein Fehlen von CCR2 die Tiere nachhaltig vor Osteoporose schützt.

Laut den Autoren der Studie helfen diese Ergebnisse nicht nur, die Osteoporose besser zu verstehen, sondern bieten auch einen Ansatz für die Entwicklung neuer und innovativer Therapieformen für die Volkskrankheit. Fortschritte in diesem Bereich seien dringend notwendig, wie Pap betont: Bei jährlich allein 120 000 Schenkelhalsbrüchen in Deutschland und Gesamtkosten von etwa 20 000 Euro pro Patient entstehe durch die Osteoporose nicht nur persönliches Leid, sondern auch ein Aufwand in Milliardenhöhe für die Gesellschaft.

Abstract der Originalpublikation "Estrogen-dependent and C-C chemokine receptor-2-dependent pathways determine osteoclast behavior in osteoporosis"

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