Ärzte Zeitung, 05.11.2009

Osteoporose: Kalzium-Supplemente haben sich bewährt

Die Osteoporose hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt. Die Gründe dafür sind in der gestiegenen Lebenserwartung, aber auch in einer Knochen-ungesunden Lebensweise zu suchen. Angezeigt sind gerade bei alten Menschen Kalzium-Supplemente.

Von Claudia Bruhn

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Nimmt die Zahl der Jahresringe zu, dann ist oft Osteoporoseprophylaxe angezeigt.

Foto: Serg Zastavkin©www.fotolia.de/Montage: sth

Wer über die Nahrung zu wenig Kalzium aufnimmt und/oder sich wenig im Freien aufhält, wo das Sonnenlicht die körpereigene Vitamin D3-Produktion anregt, sollte zu entsprechenden Supplementen greifen. Ausreichend hoch dosiert, sind sie in der Apotheke in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich.

Aktuelle Leitlinien zur Osteoporose- und Frakturprophylaxe empfehlen eine Zufuhr von 1000 mg Kalzium täglich mit der Nahrung. Optimale Kalziumquellen sind Milch- und Milchprodukte sowie einige Gemüsesorten (zum Beispiel Brokkoli). Wenn die empfohlene Zufuhrmenge über die Ernährung nicht erreicht werden kann, ist eine Supplementierung angezeigt. Die Gesamtzufuhr aus Nahrungskalzium und Supplementen sollte jedoch möglichst auf täglich circa 1500 mg begrenzt werden. Der Grund: Für höhere Mengen ist bisher kein zusätzlicher Nutzen belegt, und besonders bei Niereninsuffizienz-Patienten gibt es Hinweise auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei höherer Zufuhr.

Orale Kalzium-Supplemente gibt es als Brausetabletten (etwa Calcium 500/-1000 Hexal®, Calcium STADA 500/1000 Brausetabletten), als Kautabletten (etwa Calcium-CT® 500 mg Kautabletten, Calci-GRY® 1250 mg), Filmtabletten (etwa Calciretard®, Calcitrat®) oder Lösung (etwa frubiase® Calcium Trinkampullen).

Ein Mangel an Vitamin D lässt sich in der Regel durch eine mindestens 30-minütige tägliche Sonnenlicht-Exposition von Gesicht und Armen vermeiden. In den Wintermonaten und bei älteren Menschen ist dies jedoch häufig schwer realisierbar; außerdem nimmt die körpereigene Vitamin-D3-Produktion im höheren Lebensalter ab.

Bei geringeren Expositionszeiten wird daher eine medikamentöse Supplementierung empfohlen, beispielsweise mit Präparaten wie Dekristol® 400 I.E. Tabletten, Vigantoletten® 500 I.E./-1000 I.E. oder Vitamin D3-Hevert® Tabletten.

Die empfohlene Dosis lag bisher bei 400 bis 800 Einheiten Vitamin D3 täglich oder einer äquivalenten Dosis mehrwöchentlich. Bei Osteoporose-Patienten wurde diese auf 800 bis 2000 Einheiten täglich erhöht, da mit den geringeren Dosierungen die gewünschte Blutkonzentration von Vitamin D3 - sie sollte über 20 ng/ml betragen - oft nicht erreicht werden konnte.

Insbesondere bei älteren Menschen liegen die Werte häufig unter den empfohlenen Zufuhrmengen an Kalzium und Vitamin D3. So ergab beispielsweise eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Alten- und Pflegeheimen, dass die empfohlene Kalziumzufuhr von 82 Prozent der Senioren und 91 Prozent der Seniorinnen nicht erreicht wurde. Bei Vitamin D3 war dies sogar bei über 90 Prozent der Studienteilnehmer der Fall.

Um die Compliance zu erhöhen, sind Kombinationspräparate empfehlenswert. So gelang es beispielsweise in einer Untersuchung, durch eine gemeinsame Supplementierung mit 1200 mg Kalzium und 800 Einheiten Vitamin D3 bei Kalzium- und Vitamin D3-defizienten Personen in Alten- und Pflegeheimen die Frakturrate bei diesem besonders gefährdeten Personenkreis zu senken.

Vor allem für ältere Menschen sind Brausetabletten (etwa Calcium-Sandoz® D Osteo Brausetabletten, Ossofortin® D Brausetabletten, Calcium-D3 ratiopharm® forte Brausetabletten) oder Granulat zum Auflösen (etwa Sandocal®-D 500/440/-1000/880 Brausegranulat) gut geeignet, da sie dafür sorgen, dass gleichzeitig mehr getrunken wird.

Lesen Sie dazu auch:
Drei gegen Osteoporose: Sport, Sonne, richtige Ernährung

Lesen Sie dazu auch kurz notiert:
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Weltweit sind etwa 200 Millionen betroffen

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