Ärzte Zeitung, 04.03.2010

Fraktur-Prophylaxe - ein Job fürs Leben

Körperliche Bewegung, Kalzium und Vitamin D sowie spezifische Osteoporose-Medikamente sind wirksame Maßnahmen zur Fraktur-Prophylaxe. Voraussetzung ist aber, dass die Patienten bei der Stange bleiben.

Von Ingrid Kreutz

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Typisch für Osteoporose-Patienten mit Wirbelkörperbrüchen: Hyperkyphosierung der Brustwirbelsäule. © Klaus Peters

Körperliche Bewegung ist die wirksamste Maßnahme zur Prävention der Osteoporose. Das lässt sich dadurch erklären, dass durch Muskelarbeit die Knochenneubildung stimuliert wird. "Das Risiko für eine Hüftfraktur kann bereits durch eine Stunde regelmäßiges Gehen um fünf Prozent gesenkt werden", so Professor Peter Michael Jehle aus Wittenberg (Der Internist 12, 2009, 1314). Er rät daher älteren Menschen zu regelmäßigem moderatem sportlichen Training. Wer nur in der Jugend Sport mache, aber später nicht mehr, könne nicht mit einem nachhaltigen Effekt auf die Knochen bis ins Alter rechnen, sagt Professor Johannes Pfeilschifter aus Essen.

In der neuen S3-Leitlinie zu Osteoporose wird auch eine gute Versorgung mit Kalzium und Vitamin D zur Fraktur-Prophylaxe empfohlen. Die Gesamtkalziumzufuhr sollte etwa 1000 mg täglich betragen, aber 1500 mg nicht überschreiten. Das gelingt etwa durch den Verzehr von zwei Scheiben Käse und einem Glas Milch. Kann der Kalziumbedarf nicht über die Nahrung deckt werden, wird zur Supplementierung geraten.

Auch ein Vitamin-D-Mangel (Serum-25-Vitamin D  < 50 nmol/l) ist nach Angaben des Wittenberger Internisten einfach zu beheben. Ein schwerer Vitamin-D-Mangel lässt sich meist durch eine mindestens 30-minütige tägliche Sonnenlichtexposition von Gesicht und Armen vermeiden. Bei geringeren Expositionszeiten sollte eine medikamentöse Supplementierung mit 800 bis 2000 Einheiten Vitamin D3 täglich oder einer äquivalenten Dosis mehrwöchentlich erwogen werden. Ein Vitamin-D-Mangel ist ein starker Risikofaktor für Frakturen, da er nicht nur die Kalziumresorption verschlechtert, sondern darüber hinaus auch die muskuläre Balance.

Für Patienten, die wegen ihres hohen Frakturrisikos eine Osteoporose-spezifische Medikation benötigen, stehen mittlerweile viele Mittel zur Verfügung. Die Fraktursenkung bei Frauen ist in Studien am besten belegt für: Alendronat, Ibandronat, Teriparatid, Parathyroidhormon, Raloxifen, Risedronat, Strontiumranelat und Zoledronat. Für Alendronat, Ibandronat, Östrogene, Risedronat, Teriparatid, Strontiumranelat und Zoledronat ist auch eine Verminderung peripherer Frakturen nachgewiesen. Für die Behandlung von Männern zugelassen sind inzwischen: Alendronat, Risedronat, Teriparatid und Zoledronat.

Bei den Bisphosphonaten gibt es Präparate zur täglichen, wöchentlichen (Alendronat, Risedronat) oder monatlichen (Ibandronat) oralen Einnahme sowie zur nur dreimonatlichen (Ibandronat) oder einmal jährlichen intravenösen Therapie (Zoledronat). Die nur einmal wöchentliche bis zu einmal jährliche Behandlung hat nach Auffassung von Jehle Vorteile für die Patienten, was die Compliance und die Lebensqualität betrifft. Das gelte vor allem für ältere Patienten, die bereits kognitive Defizite haben.

Wichtig bei Osteoporose ist außer einer effektiven Fraktur-Prophylaxe auch eine rasche, effiziente Schmerztherapie, damit die Mobilität der Patienten erhalten bleibt. Bei starken, akut aufgetretenen oder akut exazerbierten anhaltenden Rückenschmerzen ist immer an eine frische Wirbelfraktur zu denken. Notwendigkeit und Dosis einer akuten Schmerzmedikation sollte nach drei Monaten überprüft werden, empfiehlt Jehle. Häufig sei ein Auslassversuch oder eine Reduktion der Dosis möglich.

Praktische Tipps bei Osteoporose-Schmerz

  • bei heftigen, anhaltenden Rücken- oder Kreuzschmerzen immer an eine Fraktur denken
  • zeigt sich radiologisch zunächst keine Fraktur, nach einigen Wochen nochmals röntgen oder direkt ein MRT veranlassen
  • Ziel der Schmerztherapie bei akuten Frakturen ist eine rasche Mobilisation der Patienten
  • Kyphoplastie oder Vertebroplastie nur nach konservativem Therapieversuch über drei Wochen und nach Ausschluss degenerativer Wirbelsäulenveränderungen als Schmerzursache
  • andere schmerzhafte Osteopathien wie eine Osteomalazie laborchemisch ausschließen
  • Notwendigkeit und Dosis der akuten Schmerztherapie nach drei Monaten überprüfen
  • Chronische Schmerzen oft koinzident mit anderen Erkrankungen der Wirbelsäule; multimodale Therapie

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