Ärzte Zeitung, 03.11.2010

Kiefernekrosen unter Osteoporosetherapie extrem selten

Das Risiko für eine Kiefernekrose ist bei NichtTumorpatienten, die aufgrund einer Osteoporose mit einem Bisphosphonat behandelt werden, sehr gering. Bei Kieferknochen-Interventionen und weiteren Risikofaktoren wird jedoch zu Vorsichtsmaßnahmen geraten.

Kiefernekrosen unter Osteoporosetherapie extrem selten

Bei Tumorpatienten wird vor einer Bisphosphonattherapie die Zahnsanierung empfohlen.

© Dan Race / fotolia.com

BERLIN (pe). Das Risiko für eine Osteonekrose des Kiefers (ONJ) unter Bisphosphonaten liegt in der Osteo-porose-Behandlung von Nicht-Tumorpatienten nach einer aktuellen Auswertung des Berliner ONJ-Registers bei 1:13 500.

Damit ist das Risiko wesentlich niedriger als in der Onkologie, wo aufgrund der höheren Applikationsfrequenz ein bis zwei Prozent der Patienten von der schwerwiegenden unerwünschten Wirkung betroffen sind. Dennoch riet Professor Dieter Felsenberg von der Berliner Charité bei einer Fortbildungsveranstaltung in Berlin im Prinzip zu ähnlicher Vorsicht - wenn auch abgeschwächt. "Alles unter 1:10 000 gilt als extrem selten", fügte er beruhigend hinzu.

Bei Nicht-Tumorpatienten, die aufgrund einer Osteoporose mit einem Bisphosphonat oder auch dem neuen monoklonalen Antikörper Denosumab behandelt werden, hält es Felsenberg für ausreichend, vorab zu besprechen, ob alle notwendigen Zahnbehandlungen erfolgt sind. Ist während der Therapie eine Kiefer-knochen-Intervention angezeigt, rät er zu erhöhter Vorsicht, wenn weite-re Faktoren vorliegen, die nach dem ONJ-Register das Risiko erhöhen. Hierzu zählen Kortikoid- oder Protonenpumpenhemmer-Therapie, Diabetes, Schilddrüsenerkrankung, Blutzellveränderung, KHK, COPD, Rheumatoide Arthritis oder Rauchen. Dann sollte der Zahnarzt einen Tag vor dem Eingriff eine Antibiotikatherapie beginnen und diese drei Wochen fortführen sowie die Wunde speicheldicht verschließen.

Kiefernekrose-Register aktuell ausgewertet

Das Deutsche Zentralregister Kiefernekrosen in der Charité - Campus Benjamin Franklin in Berlin wurde vor mehr als fünf Jahren eingerichtet. In diesem Register sollen alle Verdachtsfälle einer Kiefernekrose gemeldet werden.
Professor Dieter Felsenberg, Leiter des Zentrums für Muskel- & Knochenforschung an der Charité - Campus Benjamin Franklin, koordiniert das zentrale Register gemeinsam mit Professor Bodo Hoffmeister, Kieferchirurg an der Charité, sowie vier weiteren Kollegen. Gerade hat es wieder eine Auswertung gegeben.

Zudem empfiehlt Felsenberg dem Patienten die Einnahme von täglich mindestens 2000 Einheiten Vitamin D, die mindestens drei Wochen vor dem Eingriff beginnen und mindestens weitere sechs Monate erfolgen sollte, um die Knochenheilung zu unterstützen. Darüber hinaus sollte der Patient während der Wundheilung eine Chlorhexidin-Mundspülung verwenden. Ein Unterbrechen der Bisphosphonat-Therapie sei bei oralen Präparaten nicht unbedingt notwendig, so der Leiter vom Zentrum für Muskel- und Knochenforschung der Charité .

Bei Tumorpatienten, die eine hochdosierte intravenöse Bisphosphonat-Therapie erhalten, was für einige Präparate zum Beispiel bei Knochenmetastasen zugelassen ist, oder Denosumab subkutan, würde er aufgrund des potenziell höheren Risikos für eine Osteonekrose des Kiefers bereits vor Therapiebeginn eine Zahnsanierung als conditio sine qua non vornehmen lassen. Wird bei solchen Patienten während der Therapie eine Kieferknochen-Intervention notwendig, rät Felsenberg generell zu Antibiose, speicheldichtem Wundverschluss, Vitamin D und Chlorhexidin sowie zusätzlich zum Aussetzen der antiresorptiven Therapie, wenn die Applikation in die Zeit der Wundheilung fällt, also rund sechs bis acht Wochen nach dem Eingriff. Denn in den Stunden nach der Infusion oder Injektion, in der sich der Wirkstoff noch im Serum befindet, besteht die Gefahr einer lokalen Übersuppression des Knochenmetabolismus, die den Reparaturprozess beeinträchtigen kann.

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