Ärzte Zeitung, 11.02.2011

Mit Bisphosphonat-Therapie leben Männer und Frauen länger

Eine Bisphosphonat-Therapie verringert bei Frauen und Männern mit Osteoporose nicht nur die Rate von Wirbelkörper- und Schenkelhalsfrakturen. Einer aktuellen Studie zufolge ist bei Patienten, die ein solches Medikament erhalten, auch die Sterberate vermindert.

Mit Bisphosphonat-Therapie leben Männer und Frauen länger

Knochendichtemessung: Im Alter nimmt die Knochenmasse ab, dadurch werden Schadstoffe in den Körper freigesetzt.

© Klaro

SYDNEY (ikr). Australische Forscher um Dr. Jacqueline R. Center aus Sydney haben 1223 Frauen und 819 Männer über 60 Jahre aus der Allgemeinbevölkerung in einer prospektiven Kohortenstudie untersucht (Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism online).

121 von ihnen wurden aktuell mit einem Bisphosphonat behandelt, und zwar seit durchschnittlich drei Jahren. Einige der Studienteilnehmer erhielten andere Mittel zum Knochenschutz wie Kalzium und/oder Vitamin D oder eine Hormonersatztherapie (HRT).

Die Analyse der Sterbedaten ergab: Bei den Frauen mit Bisphosphonattherapie war die Sterberate mit 0,8 Todesfällen pro 100 Personenjahre deutlich geringer als bei den Frauen ohne Therapie (3,5 / 100 Personenjahre). Auch unter einer HRT war die Sterberate reduziert (1,2 / 100 Personenjahre).

In der Gruppe mit Kalzium und  Vitamin D gab es hingegen nicht weniger Todesfälle. Selbst unter der Berücksichtigung von Risikofaktoren wie Alter, Vorhandensein von Frakturen und Komorbiditäten war die Sterberate bei den Frauen, die mit Bisphosphonaten behandelt wurden, vermindert. Das galt jedoch nicht für die HRT. Unter Bisphosphonattherapie war die Sterberate auch in der Subgruppe der 429 Frauen mit Frakturen verringert.

Die Bilanz für die Männer: Mit Bisphosphonaten war auch bei ihnen die Sterberate geringer als bei Männern ohne Therapie (1 / 100 Personenjahre versus 4,3 / 100 Personenjahre). Das galt jedoch nicht für Kalzium /Vitamin D.

Das bedeutet im Klartext: Bei Frauen über 75 Jahre mit osteoporotischen Frakturen, bei denen man normalerweise eine Sterberate von 50 Prozent innerhalb von fünf Jahren erwarten würde, sterben unter einer Bisphosphonattherapie lediglich zehn Prozent. Und bei jüngeren Frauen würde sich die Fünf-Jahres-Sterberate von den erwarteten 20 bis 25 Prozent auf null reduzieren.

Die australischen Forscher haben eine mögliche Erklärung für ihre Ergebnisse: Mit dem Alter nimmt bekanntlich die Knochenmasse ab. Und dadurch werden im Knochen angesammelte Schadstoffe wie Blei und Kadmium in den Körper freigesetzt. Bisphosphonate wirken diesem Prozess entgegen, indem sie den Verlust der Knochenmasse bremsen. Das könnte der Grund für das längere Leben sein, vermuten die Forscher.

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