Ärzte Zeitung, 06.07.2011

Sechs Maßnahmen zum besseren Schutz der Knochen

Zur Fraktur-Prophylaxe können Patienten viel selbst beitragen. Dazu gehören Kraft- und Koordinationstraining sowie eine gute Versorgung mit Kalzium und Vitamin D. Je nach Frakturrisiko ist auch eine osteoprotektive Medikation erforderlich.

Von Thomas Meißner

Strategien-Mix zum Schutz der Knochen

Regelmäßiges Krafttraining wirkt der Abnahme der Knochenmasse entgegen.

© Klaro

Ob ein Patient mit Osteoporose medikamentös behandelt werden muss oder nicht, hängt entscheidend von seinem 10-Jahres-Frakturrisiko ab. So kann es durchaus sein, dass eine Frau in der Postmenopause mit etwas erniedrigten Knochendichtewerten keine spezifische Osteoporose-Medikation benötigt, weil ihre körperliche Fitness noch gut und die Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr in Ordnung ist und weil auch sonst keine weiteren Risikofaktoren für Frakturen vorliegen.

Risikofaktoren sind etwa die Einnahme von oralen Glukokortikoiden, von Psychopharmaka, Glitazonen oder von Orthostase-auslösenden Medikamenten.

Eine unterschätzte, aber ebenfalls wichtig Maßnahme, um Knochenbrüche zu vermeiden, seien jährliche Kontrollen der Serum-TSH, ergänzt Professor Johannes Pfeilschifter vom Alfried Krupp Krankenhaus in Essen. Denn für TSH-Konzentrationen unter 0,3 mU/l ist ein erhöhtes Frakturrisiko nachgewiesen. Bei Patienten unter L-Thyroxin-Therapie soll daher eine Überdosierung vermieden werden (DMW 2011, 136: 525). Weitere Empfehlungen, um Osteoporose-bedingte Knochenbrüche zu vermeiden sind:

  • Muskelkraft und Koordination mit Training erhalten und verbessern
  • Stürze vermeiden, indem zum Beispiel der Visus geprüft, gutes Schuhwerk getragen und sturzfördernde Medikamente gemieden werden
  • Gegebenenfalls Gehhilfen oder einen Rollator benutzen
  • Durch entsprechende Ernährung und mit Bewegung im Sonnenlicht die Kalzium- und Vitamin-D-Versorgung optimieren
  • Untergewicht und Rauchen vermeiden.

Diese Maßnahmen wirkten rasch und in jedem Alter, so Pfeilschifter. Er warnt aber zugleich: "Sie verlieren ihre Wirkung aber ebenso rasch, wenn sie nicht kontinuierlich umgesetzt werden, da der Knochen ein schlechtes Langzeitgedächtnis hat."

Ab einem 10-Jahres-Frakturrisiko von 30 Prozent wird in der Leitlinie des Dachverbandes Osteologie (DVO) die medikamentöse Behandlung empfohlen. Prinzipiell lasse sich die Indikation anhand rein klinischer Risikofaktoren ohne eine Knochendichtemessung abschätzen, so Pfeilschifter.

Knochendichtemessung berücksichtigen

Allerdings ergeben sich dann offene Fragen hinsichtlich der Therapieeffektivität. Denn es gibt keine Belege dafür, dass die medikamentöse Osteoporosetherapie bei Patienten ohne verminderte Knochendichte die Frakturrate verringern kann. Daher sollte, wann immer möglich, die Knochendichtemessung in die Beurteilung einfließen.

In einer Tabelle der DVO-Leitlinie lässt sich dann in erster Linie anhand der gemessenen T-Werte, des Geschlechts und des Alters ablesen, ob die medikamentöse Therapie angezeigt ist oder nicht.

Außer den verschiedenen Bisphosphonaten, Raloxifen und Strontiumranelat wird die Palette zur Verfügung stehender Arzneimittel ergänzt durch Denosumab, einem monoklonalen Antikörper, der die Osteoklastenbildung hemmt, sowie durch zwei Parathormon-Präparate, die überwiegend den Knochenanbau stimulieren.

Bei verminderter Knochendichte kann damit im Durchschnitt eine Reduktion des Risikos für Wirbelkörperfrakturen um etwa 50 Prozent erwartet werden sowie eine um 20 Prozent verminderte Inzidenz peripherer Frakturen.

Geschlechtsunterschiede beachten

Beachtet werden müssen gewisse Geschlechtsunterschiede bei den Zulassungen. Für Männer mit Osteoporose sind Alendronat, Risedronat, PTH 1-34 und Zoledronat zugelassen.

Und: Postmenopausale Frauen, die primär wegen vasomotorischer Symptome Östrogene erhalten, benötigten in der Regel keine weitere spezifische Osteoporose-Therapie, so Pfeilschifter. Weitere generelle Kriterien für medikamentöse Präferenzen gibt es derzeit nicht.

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