Ärzte Zeitung, 24.01.2012

Fünf Mythen über Osteoporose

Etwa jeder vierte Bundesbürger über 50 Jahre ist an Osteoporose erkrankt. Eine Volkskrankheit also, doch noch immer ranken sich viele Mythen über den Knochenschwund - vor allem, was Prävention und Behandlung angeht.

Fünf Mythen über

Osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen nach der Menopause lässt sich vorbeugen.

© Arteria Photography

NEU-ISENBURG (eb). Experten schätzen die Zahl der an Osteoporose erkrankten Menschen weltweit auf 200 Millionen. Diese Krankheit zählt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den zehn meistunterschätzten Volkskrankheiten.

Etwa 25 Prozent der Bundesbürger über 50 Jahre leiden darunter. Obwohl derart viele Menschen von dieser Knochenkrankheit betroffen sind, herrschen viele Mythen rund um das Thema Osteoporose, die Professor Dr. Andreas Kurth, Mitglied des Vorstands des Dachverbandes Osteologie e. V. (DVO), aufklärt.

Mythos 1: Schonzeit nach der Diagnose

Nach der Diagnose einer Osteoporose neigen Betroffene aus Angst vor Verletzungen oftmals zu weniger Bewegung und Schonung. Dabei wirke sich Aktivität sowohl auf das körperliche als auch auf das psychische Wohlbefinden positiv aus, so Kurth.

Bewegung und gezielter Muskelaufbau tragen dazu bei, dass sich die Knochensubstanz automatisch verdichtet und verfestigt. Betätigungen wie zum Beispiel leichtes Krafttraining und Gymnastik unterstützen die aufbauenden Prozesse, fördern die Koordination und beugen dadurch Stürzen sowie dem Risiko, Wirbelbrüche zu erleiden, vor.

Mythos 2: Fetthaltige Lebensmittel schaden

Natürlich führt übermäßige Kalorienzufuhr zu Übergewicht und damit auch zu Stoffwechselstörungen. Jedoch basieren osteoporotische Erkrankungen nicht auf zu viel Körpermasse an sich, sondern gehen mit falschem Essverhalten einher.

Daher rät Kurth zu kalziumreicher Kost durch Milch, Sojaprodukte oder Gemüse wie Bohnen, Brokkoli und Grünkohl. In Milch und Fisch zusätzlich enthaltenes Vitamin D erleichtert nach Angaben des Experten die Aufnahme dieses wichtigen Mineralstoffs und stärkt Knochenstrukturen sowie Wirbelkörper.

Mythos 3: Nur ältere Menschen sind betroffen

Bis zum 35. Lebensjahr überwiegen knochenaufbauende Prozesse im Körper. Faktoren wie ungesunde Ernährung, Rauchen sowie genetische Veranlagung und Medikamente beeinträchtigen diesen Ablauf. Osteoporose kann allerdings in jeder Altersgruppe auftreten, so Kurth.

Da sich im Laufe des weiteren Lebens der Knochen abbaut und sich die Knochenmineraldichte vermindert, erkranken jedoch eher ältere als jüngere Menschen. Schätzungsweise leiden in Deutschland sieben bis acht Millionen Menschen über 50 Jahren an Knochenschwund.

Mythos 4: Nur Frauen erkranken

Da ein hormoneller Regelkreis den Stoffwechsel von Knochen steuert, vermindert sich bei Frauen mit Beginn der Wechseljahre über einige Jahre die Knochenmineraldichte rasant. Nimmt der Östrogenspiegel im Körper ab, steigt für Frauen das Risiko, an Osteoporose zu erkranken.

Auch bei Männern kommt es zu einer Abnahme des männlichen Hormonspiegels, jedoch viel langsamer. Daher erkranken sie seltener daran und oft erst in späteren Jahren. Trotzdem steigt die Zahl der von der Knochenkrankheit betroffenen männlichen Patienten deutlich an.

Mythos 5: Stilles Liegen nach Operation

Da die Entwicklung operativer Verfahren sich stetig im Wandel befindet, benötigen Patienten mit Wirbelkörperbrüchen heutzutage keine langen Ruhephasen nach einem Eingriff. Neuartige minimalinvasive Verfahren hinterlassen jetzt nur noch einen kleinen Schnitt, so wie etwa bei der sogenannten Radiofrequenz Kyphoplastie.

Hier geben Mediziner mithilfe einer kleinen Nadel speziell entwickelten zähflüssigen Zement in den porösen Wirbelkörper, der die feinen Strukturen lückenlos umschließt. Anschließend härtet der Zement an Ort und Stelle aus und stabilisiert den Knochen. Somit werde schon kurz nach dem Eingriff bei den Patienten eine optimale Schmerzlinderung erreicht, so Kurth.

Die Patienten profitieren auch von der kurzen Operationszeit und können sofort aktiv ihren Alltag gestalten. Stilles Liegen nach der Behandlung bleibt heutzutage aus.

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