Ärzte Zeitung, 20.10.2015

Osteoporose-Tag

"Das sind Schmerzen, die das ganze Leben verändern"

Es ist eine schleichende Krankheit, die Millionen ältere Menschen belastet: Osteoporose. Sie könnte deutlich besser diagnostiziert und therapiert werden, meinen Experten. Dabei kommt es auf die Ärzte an - aber auch auf die Patienten selbst.

"Das sind Schmerzen, die das ganze Leben verändern"

Die Knochendichtemessung nach der DXA-Methode wird zur Osteoporose-Diagnostik empfohlen.

© Klaus Rose

MÜNSTER. Der Welt-Osteoporose-Tag am 20. Oktober soll den überwiegend weiblichen Betroffenen mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Einige Teilnehmerinnen der Osteoporose-Selbsthilfegruppe in Münster haben durch wiederholte Knochenbrüche sehr schmerzhaft erfahren, was das bedeuten kann.

"Das sind Schmerzen, die das ganze Leben verändern. Man kann gar nicht mehr richtig teilnehmen", sagt Anke, die ihren vollen Namen nicht veröffentlicht sehen will.

Die 48-Jährige leidet seit zehn Jahren, immer wieder hatte sie Rippenbrüche. Inzwischen kann sie auch ihrem Bürojob nicht mehr nachgehen. Dass die Krankheit wie bei ihr schon Jahre vor den Wechseljahren auftritt, kommt selten vor.

Das Alter ist neben dem Geschlecht der wichtigste Risikofaktor: Nach Hochrechnungen von Krankenkassen-Daten ist eine von vier Frauen und einer von 17 Männern über 50 Jahren betroffen. Insgesamt haben rund 6,3 Millionen Deutsche die Krankheit.

Für viele ist es noch ein Fremdwort

Welt-Osteoporose-Tag am 20. Oktober

Die International Osteoporosis Foundation (IOF) stellt den Welt-Osteoporose-Tag 2015 unter das Motto: Serve Up Bone Strength (Servieren Sie starke Knochen ). Mehr Infos unter: nof.org/WOD2015

Auch das Kuratorium Knochengesundheit bietet auf seiner Homepage viele Informationen zu Osteoporose, etwa auch zu knochengesunder Kost: www.osteoporose.org

"Und trotzdem ist Osteoporose für viele noch ein Fremdwort", ärgert sich Irene Buddendick, Leiterin der Selbsthilfegruppe. Sie selbst hat sich ihrer Diagnose so früh gestellt, dass es ihr inzwischen gelungen ist, den Knochenabbau soweit zu stoppen, dass sie die Medikamente absetzen konnte.

Mit ihrem frühzeitigen Einschreiten ist sie ein mustergültiges Beispiel, das aus Sicht von Knochenexperten leider noch viel zu selten ist.

Trotz der weiten Verbreitung wird die Erkrankung in der Öffentlichkeit wenig thematisiert. "Es ist nicht sexy, über alte Knochen zu sprechen", sagt Professor Andreas Kurth, Vorsitzender des Dachverbands Osteologie (DVO).

Zwar ist Osteoporose nicht unmittelbar lebensbedrohend, doch wenn man nichts dagegen tut, kann sie die Lebensqualität erheblich einschränken.

So kommen nach einer Hüftfraktur nur die Hälfte der oft hochbetagten Patienten wieder auf die Beine, berichtet das Kuratorium für Knochengesundheit. Und jeder Fünfte stirbt nach einer solchen Verletzung binnen eines halben Jahres.

In einer alternden Gesellschaft müssten diese Zahlen alarmieren. Doch Knochenexperten beklagen unisono eine mangelnde Aufmerksamkeit für das Krankheitsbild - bei Patienten und auch bei Ärzten.

Einen Grund nennt Hermann Schwarz, Orthopäde und ebenfalls DVO-Vorstandsmitglied: Osteoporose ist eine relativ junge Krankheit - nicht alle Hausärzte erkennen die Anzeichen.

Auch der Patient ist in der Pflicht

"Wir haben erst seit den 1980er Jahren Therapiemöglichkeiten, bei vielen meiner Kollegen war Osteoporose in der Ausbildung kein Thema", berichtet er. Junge Kollegen seien deutlich sensibilisierter.

Auch der Patient sei in der Pflicht, glaubt Kurth: Genauso wie man regelmäßig zur Zahnarztkontrolle gehe, sei es auch wichtig, das persönliche Osteoporose-Risiko zu kennen. Neben Alter und Geschlecht spielt es etwa eine Rolle, ob man Cortison oder andere Medikamente nimmt, die die Knochen schädigen können.

Rauchen, Untergewicht und eine bestimmte genetische Veranlagung sind weitere Risikofaktoren. Ein Arzt könne feststellen, ob die Knochendichte oder ein geringer Vitamin-D-Spiegel Anlass zur Sorge sind.

Doch selbst wenn Ärzte eine Osteoporose erkennen und eine Therapie anregen: Viele Patienten bleiben nicht dabei, setzen Medikamente schon im ersten Jahr wieder ab: "Es ist nicht wie bei einem Blutdruckmittel, dessen Erfolg man sofort sieht", erklärt Kurth. (dpa/ikr)

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