Ärzte Zeitung, 01.06.2004

Test der Fingergelenke deckt Rheuma früh auf

Fähigkeit zum Faustschluß schließt Gelenkentzündung aus / Adalimumab kann Rheuma-Progression stoppen

WIESBADEN (hae). Je früher Patienten mit rheumatoider Arthritis erkannt und behandelt werden, desto besser ist ihre Langzeit-Prognose. Dabei sind klinische Zeichen zur Frühdiagnose wichtiger als bildgebende Verfahren. Tips dazu hat Privatdozent Burkhard Möller aus Frankfurt am Main beim Internistenkongreß in Wiesbaden gegeben.

Schon mit einfachen Mitteln lassen sich Frühstadien einer rheumatoiden Arthritis (RA) erkennen, wie Möller von der Uniklinik Frankfurt am Main bei einem Symposium von Abbott gesagt hat. So seien zum Beispiel die bei Gesunden im entspannten Zustand tastbaren Gelenkspalten der Fingergrundgelenke bereits bei frischen Synovialitiden nicht mehr tastbar. Umgekehrt schließe die Fähigkeit zum Faustschluß eine Synovialitis der Fingermittelgelenke zuverlässig aus.

Mehr als drei geschwollene Gelenke, Beteiligung der Finger- oder Zehengrundgelenke auch mit Druckschmerz und mehr als 30 Minuten tägliche Morgensteifigkeit sind nach Ansicht von Möller Gründe für einen Therapiestart mit Basismedikamenten, ebenso wie ein Ansprechen der Beschwerden auf eine NSAR- oder Steroidtherapie.

Denn bekannt sei, daß bei 30 Prozent der Patienten, die seit zwei Monaten arthritische Veränderungen in mindestens drei Körpergelenken haben, diese über zwei Jahre andauern. Bei der Hälfte dieser 30 Prozent kommt es langfristig zu Erosionen der Gelenkflächen und zur Gelenkzerstörung, so Möller. Die Wahrscheinlichkeit für eine RA erhöht sich bei positiven Tests auf Rheumafaktor und auf Antikörper gegen cyclisch citrullierte Proteine (CCP-AK) auf 80 bis 90 Prozent.

Bei früher und intensiver Therapie mit Biologicals ist heute sogar eine Remission der RA zu erreichen, wie Professor Erika Gromnica-Ihle aus Berlin-Buch betonte. Klassische Ba-sisarzneien wie Methotrexat (MTX), Sulfasalazin oder Azathioprin verlangsamten aber lediglich das radiologisch nachweisbare Fortschreiten der RA. Dagegen läßt sich mit Biologicals sogar ein kompletter Stop der Progression erzielen. Der humane TNF-alfa-Antikörper Adalimumab (Humira®) wirkt zudem bereits nach wenigen Tagen. Biologicals sollten bei gesicherter Diagnose durch einen Rheumatologen angewendet werden, wenn mindestens zwei Basismedikamente - darunter MTX - nicht wirken, empfahl die Rheumatologin.

Adalimumab habe sich bei mäßiger bis schwerer RA sowohl in Kombination mit MTX als auch allein und auch langfristig als wirksam erwiesen, so Professor Bernhard Manger aus Erlangen. Patienten profitierten besonders, wenn der Antikörper angewendet wird, bevor radiologische Gelenkschäden nachweisbar sind, also in den ersten zwei Jahren der RA.

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