Ärzte Zeitung, 03.05.2004

Polyarthritis befällt schon früh viele Gelenke

Bereits im Initialstadium schnelle Krankheitsprogression / Rascher Therapiebeginn ist entscheidend für die Prognose

WIESBADEN (eis). Bei früher rheumatoider Arthritis (RA) gibt es noch immer das Vorurteil, daß die Gelenke nur langsam geschädigt würden und bei der nicht-tödlichen Krankheit kein unmittelbarer Handlungsbedarf bestehe, kritisiert Professor Josef Smolen. "Am Anfang explodiert die Erkrankung und greift durchaus krakenhaft auf viele Gelenke über", sagte der Rheumatologe aus Wien.

Patienten mit Verdacht auf RA sollten daher so früh wie möglich zum Rheumatologen überwiesen, diagnostiziert und behandelt werden, betonte Smolen beim Internistenkongreß in Wiesbaden. Eine hohe Wahrscheinlichkeit für RA besteht bei mindestens zwei geschwollenen Gelenkregionen seit mehr als sechs Wochen, symmetrischer Verteilung der Schwellungen sowie Morgensteifigkeit über mehr als 60 Minuten.

Wie schnell die Gelenkdestruktionen bei RA voranschreiten, machte der Rheumatologe anhand der Ergebnisse einer aktuellen Studie deutlich. Nach seinen Angaben hatten darin bereits 13 Prozent der Patienten mit sehr früher rheumatoider Arthritis (die Symptome bestanden im Mittel erst acht Wochen) Gelenk-Erosionen.

Wurde die Basistherapie sofort begonnen, dann hätten nach einem Jahr 28 Prozent der Patienten Gelenk-Erosionen gehabt. Wurde die Basistherapie aber erst mit sechsmonatiger Verzögerung begonnen, dann habe es nach einem Jahr schon bei 45 Prozent der Patienten Erosionen in den Gelenken gegeben und nach zwei Jahren bereits bei 60 Prozent.

Wird die Diagnose früh gesichert, dann kann mit einer frühen Therapie die Progression der Krankheit aufgehalten werden. "Ein Zug im Schneckentempo läßt sich eher aufhalten als ein schon schnell rollender Zug", sagte Smolen dazu.

Nach seinen Angaben ist bei früher Monotherapie mit Sulfasalazin oder Leflunomid Studienergebnissen zufolge das Ausmaß der Gelenkdestruktionen binnen sechs Monaten um 80 Prozent geringer als unter Placebo. Auch die langfristige Krankheitskontrolle sei bei frühem Beginn der Therapie deutlich besser.

Für einen zusätzlichen Nutzen des TNF-alfa-Blockers Infliximab (Remicade®) bei schneller Krankheits-Progression sprächen zudem Daten der noch nicht publizierten ASPIRE-Studie (Active Controlled Study of Patients Receiving Infliximab for Treatment of Rheumatoid Arthritis of Early Onset).

Darin sei bei Patienten mit hohem Ausmaß an Gelenk-Erosionen zu Beginn der Erkrankung durch die Kombination von Infliximab und Methotrexat die Progression der Erkrankung nahezu gestoppt worden.

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