Rheuma

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Modul: Reaktive Arthritis: Pathogenese – Diagnose – Therapie

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Ärzte Zeitung, 17.03.2005

Fünf Jahre bis zur Diagnose M. Bechterew - das ist zu viel!

Verdächtig für M. Bechterew sind Rückenschmerzen, die von der Sakroiliakal-Region ausgehen / Gute Therapieergebnisse etwa mit Etanercept

MÜNCHEN (wst). Bei chronischen Rückenschmerzen wird meist viel zu spät an einen Morbus Bechterew als mögliche Ursache gedacht. Von den ersten Beschwerden der auch als ankylosierenden Spondylitis bezeichneten chronisch entzündlichen Skeletterkrankung bis zur korrekten Diagnose vergehen oft fünf und mehr Jahre. Dabei sind die therapeutischen Erfolgsaussichten um so besser, je früher behandelt wird.

Röntgenbild bei Morbus Bechterew mit Sklerosierung der Iliosakralgelenke. Foto: H. Keller, LMU München

Schätzungsweise 0,5 Prozent der Bevölkerung erkranken an einem Morbus Bechterew, hat Professor Joachim Sieper aus Berlin auf einer Pressekonferenz von Wyeth Pharma in München erklärt. Männer seien deutlich häufiger betroffen als Frauen, wobei das Ausmaß dieser Ungleichverteilung in der Vergangenheit überschätzt worden sei.

Bei über 95 Prozent der Betroffenen beginnt die Erkrankung vor dem 45. Lebensjahr, meistens zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Sieper appellierte deshalb, bei sich vor dem 45. Lebensjahr manifestierenden chronischen Rückenschmerzen, vor allem wenn sie von der Sakroiliakal-Region ausgehen, immer auch an einen Morbus Bechterew zu denken.

Klagen die Patienten dann auch noch über Morgensteifigkeit und berichten sie, daß sich die Beschwerden durch Bewegung bessern, sollte eine weitere Klärung beim Spezialisten veranlaßt werden. Den Verdacht erhärtet, wenn die Patienten HLA-B 27-positiv sind und wenn im Röntgenbild oder MRT Zeichen einer Sakroileitis zu finden sind.

Ist die Diagnose Morbus Bechterew gesichert, sollte idealerweise der destruktive entzündliche Prozeß in Sakroiliakalgelenk und Wirbelsäule medikamentös gebremst werden noch bevor reaktive Verknöcherungen irreversible Versteifungen verursachen. Mittel der ersten Wahl sind immer noch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR).

Bringen NSAR keine nennenswerte klinische Besserung und schreitet die Erkrankung auch radiologisch fort, sei gemäß eines im Januar 2003 in Berlin verabschiedeten internationalen Expertenkonsens der Einsatz von TNF-alpha-Blockern wie Etanercept indiziert, sagte Sieper.

Mehrere Studien hätten ergeben, daß mit wöchentlich zwei subkutanen Injektionen von je 25 mg Etanercept (Enbrel®) bei mindestens der Hälfte aller auf NSAR unzureichend ansprechenden Morbus-Bechterew-Patienten die Krankheitsaktivität um mindestens 50 Prozent reduziert werden kann. Follow-up-Untersuchungen über eine Dauer von bislang zwei Jahren hätten keine Hinweise auf einen Wirkungsverlust in der Langzeittherapie ergeben, sagte Sieper.

Eine Therapie mit Etanercept gilt dann als ausreichend wirksam und sollte fortgesetzt werden, wenn der BASDAI innerhalb von drei Monaten um mindestens 50 Prozent oder absolut um zwei Punkte verbessert werden kann. Nach sechs bis zwölf Monaten stabiler Besserung kann versucht werden, die Intervalle zwischen den Injektionen schrittweise so weit zu verlängern wie dies ohne erneute Verschlechterung des Zustands toleriert wird.

STICHWORT

BASDAI

BASDAI steht für den 1994 in die Rheumatologie eingeführten "Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index". Dabei werden die Bechterew-Symptomen-Komplexe Erschöpfung/Müdigkeit, Nacken-/Rücken-/Hüftschmerzen, Schmerzen/Schwellungen in anderen Gelenken, Ausmaß der Beschwerden an druck- und berührungsempfindlichen Körperstellen sowie Ausmaß und Dauer von Morgensteifigkeit je auf einer visuellen Analogskala von Null (fehlend) bis zehn (stark ausgeprägt/sehr oft) erfaßt. Der Mittelwert aus den Einzelantworten ergibt den BASDAI-Wert. (wst)

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