Ärzte Zeitung, 14.06.2005

Leitlinie Bechterew-Therapie vorgestellt

Bestandsaufnahme der Daten zur Behandlung bei M. Bechterew / Physiotherapie und Sport haben hohen Stellenwert

WIEN (gvg). Auf dem Europäischen Rheumatologie-Kongreß in Wien wurde zum ersten Mal eine internationale Leitlinien zur Therapie bei Morbus Bechterew präsentiert. Sie betont die große Bedeutung von Physiotherapie, nicht-steroidalen Antirheumatika und Biologicals.

Die Leitlinienkommission der Europäischen Rheumaliga EULAR wurde geleitet von dem deutschen Rheumatologen Professor Jürgen Braun vom Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne. Sie setzte sich aus 20 Rheumatologen und zwei Chirurgen zusammen. Die Experten haben einen Therapie-Algorithmus erarbeitet, in den sowohl der Evidenzgrad als auch die Experteneinschätzung einging.

Obwohl es kaum Studien dazu gibt, wird die große Bedeutung nicht-pharmakologischer Maßnahmen ausdrücklich hervorgehoben. Basierend auf Expertenmeinung und einigen wenigen, kleinen Studien wurde eine starke Empfehlung ausgesprochen, die vor allem Physiotherapie und sportliche Übungen - etwa das bei Bechterew-Patienten gängige Volleyball - umfaßt.

Medikamentöse Therapie der ersten Wahl sind nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Bei erhöhtem Risiko von gastrointestinalen Komplikationen werden gleichberechtigt Coxibe oder die Kombination aus NSAR und Protonenpumpenhemmstoff empfohlen. Sowohl Coxibe als auch herkömmliche NSAR erhielten den Evidenzgrad Ib, es liegt also mindestens eine positive randomisierte, kontrollierte Studie vor.

Reicht das nicht aus, dann sollte die weitere Therapie vom Typ der Beschwerden abhängen, so Braun in Wien. "Bei Vorliegen einer peripheren Arthritis ist ein Therapieversuch mit Sulfasalazin gerechtfertigt", so der Rheumatologe.

Auch die lokale Anwendung von Glukokortikoid-Injektionen sei bei diesen Patienten möglich. Für beide Therapien gibt es aber keine randomisierten, kontrollierten Studien. Im letzten Schritt sieht die Leitlinie bei dominant peripher-arthritischem Morbus Bechterew Biologicals vor.

Bei der viel häufigeren, axialen Form des Morbus Bechterew wird bei erfolgloser NSAR-Therapie mit mindestens zwei verschiedenen Substanzen für jeweils mindestens sechs Wochen sofort eine Behandlung mit Biologicals empfohlen. Für die älteren Substanzen Infliximab und Etanercept gilt hier der Evidenzgrad Ib.

Keine Indikation beim M. Bechterew gibt es nach Auffassung der Leitlinienautoren für die systemische Steroidtherapie und für die systemische Behandlung mit rheumatischen Basistherapeutika einschließlich Methotrexat. Ergänzende Therapiemaßnahmen, vor allem bei fortgeschrittener Erkrankung, können Analgetika wie Paracetamol sein, außerdem Operationen wie der Hüftgelenksersatz oder eine Umstellungsosteotomie.

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