Ärzte Zeitung, 06.10.2005

Methotrexat subkutan ist besser als Methotrexat oral

Erste Ergebnisse einer Vergleichsstudie / Krankheitsaktivität wurde signifikant durch die Therapie mit einer Fertigspritze verringert

DRESDEN (awa). Bei gleicher Dosierung ist die subkutane Therapie mit Methotrexat signifikant wirksamer als die orale. Nach ersten Ergebnissen einer deutschen Vergleichsstudie erreichen nach 24 Wochen Behandlung 42 Prozent mehr Patienten eine Remission, wenn sie Methotrexat subkutan statt oral anwenden.

Das hat Professor Jürgen Braun vom Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne beim Rheumatologen-Kongreß in Dresden berichtet. In der kontrollierten Phase-IV-Studie erhielten 384 Patienten mit aktiver rheumatoider Arthritis, die noch nicht mit Methotrexat (MTX) behandelt worden waren, 24 Wochen lang einmal pro Woche 15 mg des Wirkstoffs oral oder subkutan (Metex® Fertigspritze) sowie zum Zellschutz begleitend 5 mg Folsäure innerhalb von 24 Stunden nach MTX-Applikation. Konstante Dosen von NSAR und Kortikosteroiden waren im Verlauf der Studie erlaubt.

Die Zwischenauswertung der Daten von 294 Patienten habe ergeben, daß die subkutane Applikation klinisch signifikant wirksamer sei als die orale, so Braun auf einer von Medac unterstützten Veranstaltung. Eine Remission erreichten mit der Fertigspritze 34 Prozent und mit der Tablette 24 Prozent der Patienten. Dabei war eine Remission bei einem Wert von unter 2,6 im DAS 28 erreicht.

Der DAS ist ein Score, der die Krankheitsaktivität anhand der Zahl geschwollener und druckempfindlicher Gelenke, mehrerer Laborparameter sowie subjektiver Einschätzung mißt. Auch die Ansprechraten - eine Besserung der Krankheitsaktivität um mindestens 20, 50, 70 und 90 Prozent entsprechend des Scores des American College of Rheumatology - waren mit der Fertigspritze im Vergleich zur Tablette signifikant höher.

So erreichten im Verlauf der Studie jeweils 78 (s.c.) und 67 (oral) Prozent der Patienten eine 20prozentige, 63 und 55 Prozent eine 50prozentige, 43 und 31 Prozent eine 70prozentige und 15 und 11 Prozent eine 90prozentige Besserung.

Braun begründete die bessere Wirksamkeit der subkutanen Applikation mit der höheren Bioverfügbarkeit. Diese liege bei oraler Therapie - mit starken interindividuellen Schwankungen - zwischen 60 und 70 Prozent. Dagegen sei die Bioverfügbarkeit bei subkutaner und intramuskulärer Applikation ähnlich und liege mit geringen Schwankungen der Resorption zwischen 90 und 100 Prozent.

Die Studiendaten zur Verträglichkeit werden zur Zeit noch ausgewertet. Braun wies jedoch auf die bisher guten Erfahrungen mit der subkutanen Applikation hin. MTX subkutan sei allgemein und auch lokal an der Einstichstelle gut verträglich und verursache weniger gastrointestinale unerwünschte Wirkungen als die orale Applikation, so Braun.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Bruch mit dem deutschen Verordnungssystem?

Eine Gesetzesänderung ermöglicht Ärzten seit kurzem, Cannabis zulasten der Kassen zu verschreiben. Der Patient bezieht Cannabis aus der Apotheke. Das neue Rechtskonstrukt sehen viele aber als "Systembruch". mehr »