Ärzte Zeitung, 10.10.2006

Rheumapatienten warten lange auf den Facharzt

Aktionsplan der Deutschen Rheuma-Liga soll die Situation von neun Millionen Betroffenen verbessern

BERLIN (af). Es gibt zu wenige Rheumatologen in Deutschland. Die neun Millionen an entzündlich-rheumatischen Krankheiten leidenden Menschen seien unterversorgt, sagten gestern in Berlin Vertreterinnen der Rheuma-Gesellschaften im Vorfeld des Welt-Rheuma-Tages am 12. Oktober.

Die Deutsche Rheuma-Liga kommt auf neun Millionen Betroffene. Ihre Statistik bezieht Weichteil-Rheumatismus, Stoffwechselerkrankungen und degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates ein.

Lediglich 268 Schwerpunktpraxen und 178 ermächtigte Ambulanzen reichten für die Betreuung nicht aus, sagte Professorin Erika Gromnica-Ihle, die Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. Sie forderte die ärztliche Selbstverwaltung auf, ein Arzt-Patienten-Verhältnis von eins zu 50 000 anzustreben. Das wären 1400 internistische Rheumatologen.

Außerdem seien die Primärärzte nicht ausreichend ausgebildet. Lehrstühle für Rheumatologie seien Mangelware. Im Schnitt müßten Rheuma-Patienten mehr als ein Jahr auf den ersten Kontakt mit einem Facharzt warten, sagte Gromnica-Ihle.

Hausärzte, Internisten und Orthopäden verordneten aber nur rund jedem zweiten Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis während dieser Wartezeit Therapien, die die Gelenkzerstörung verlangsamen könnten. Seltenere Krankheitsbilder würden oft ganz übersehen. Bei Morbus Bechterew dauere die durchschnittliche Zeit bis zur ersten Sitzung beim Facharzt sechs Jahre.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt nahm den von der Deutschen Rheuma-Liga erarbeiteten Aktionsplan entgegen. "Mit dem Plan richten wir uns an alle, die Verantwortung tragen in der Betreuung und Versorgung rheumakranker Menschen", sagte Christine Jakob, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga. Der Plan enthält konkrete Empfehlungen zur Versorgung bei Erkrankungen wie Arthrose, entzündliches Rheuma, Fibromyalgie oder auch Rheuma bei Kindern.

Weitere Infos: www.rheuma-liga.de

STICHWORT

Rheumatische Erkrankungen

Zu den rheumatischen Erkrankungen zählen alle Störungen des Stütz- und Bewegungsapparats, die chronisch schmerzhaft sind und die Bewegung einschränken: etwa 450 Erkrankungen, dabei entzündlich-rheumatische und degenerativ-rheumatische.

Etwa je ein Prozent der Bevölkerung sind von Rheumatoider Arthritis (RA) oder Spondyloarthropathien betroffen. Die Prävalenz von Kollagenosen liegt bei etwa 0,2 Prozent. Bei RA betragen die Kosten pro Patient etwa 5000 Euro direkt und 10 000 Euro indirekt.

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