Rheuma

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Modul: Reaktive Arthritis: Pathogenese – Diagnose – Therapie

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Ärzte Zeitung, 19.06.2007

Argumente für frühe Bechterew-Therapie

Gelenkprozesse bei Rheumatoider Arthritis und M. Bechterew verschieden / TNFα-Blocker früher einsetzen?

BARCELONA (gvg). TNFα-Blocker sind unbestritten die wirksamsten Medikamente bei ankylosierender Spondylitis (AS, Morbus Bechterew). Nur Knochenveränderungen scheinen sie nicht aufzuhalten. Aber vielleicht wurde bisher nur zu spät therapiert.

Die Daten ähneln sich: Als bei der EULAR-Tagung 2006 eine Studie vorgestellt wurde, die zeigte, dass die zweijährige Therapie mit Etanercept (Enbrel®) das radiologische Fortschreiten der Erkrankung bei Patienten mit AS nicht aufhält, waren viele noch überrascht. Beim EULAR 2007 hat nun dieselbe Arbeitsgruppe praktisch identische Daten für AS-Patienten vorgelegt, die mit Infliximab (Remicade®) therapiert wurden.

Mittlerweile gibt es erste Erklärungsansätze für diese Beobachtung. Sie wird dadurch rätselhaft, dass TNFα-Blocker bei Rheumatoider Arthritis (RA) strukturelle Gelenkveränderungen sehr wohl deutlich verzögern, sie sogar stoppen können. Wie Professor Joachim Sieper von der Charité Berlin erklärte, liegt des Rätsels Lösung wahrscheinlich in einem unterschiedlichen Ablauf der Gelenkprozesse.

"Es kommt bei der AS erst zu einer Entzündungsreaktion und danach zu Erosionen. Dann geht die Entzündung zurück und Reparaturvorgänge setzen ein, die zur Knochenneubildung und damit zu strukturellen Veränderungen führen", so Sieper. Solange die Entzündung in den Wirbelgelenken und Sakroiliakalgelenken aktiv ist, läuft der pathologische Knochenaufbau nur mit angezogener Handbremse. Verschwindet die Entzündung, fängt die Synthese von Knochengewebe erst richtig an, und die strukturellen Gelenkveränderungen entwickeln sich.

Tatsächlich gebe es zumindest aus Tierversuchen Hinweise darauf, dass eine antientzündliche Therapie den Knochenaufbau bei AS sogar eher fördere als hemme, so Sieper. Bei der RA dagegen steht die regenerative Knochenneubildung nicht im Vordergrund. Die strukturellen Veränderungen sind unmittelbare Folge der Entzündung und lassen sich damit durch entzündungshemmende TNFα-Blocker reduzieren.

"Klinisch bedeutet das, dass wir bei AS-Patienten wohl sehr viel früher antientzündlich behandeln müssen, um nicht nur die Symptome zu bessern, sondern auch strukturelle Gelenkveränderungen aufzuhalten", so Siepers Fazit aus diesen Beobachtungen. Bisher vergehen noch immer im Mittel sechs Jahre zwischen den ersten Symptomen eines Morbus Bechterew und dem Therapiebeginn. Um die Knochenneubildung zu verhindern, ist das wahrscheinlich zu spät. Wie früh genau eine Therapie starten müsste, um einen strukturellen Effekt zu haben, ist derzeit allerdings noch Spekulation.

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