Ärzte Zeitung, 05.11.2007

Drei neue Biologicals gegen Rheumatoide Arthritis

Studienteilnehmer waren erfolglos vorbehandelte Patienten /  Bei zwei Dritteln besserten sich mit Tocilizumab die Symptome um über 20 Prozent

BARCELONA (gvg). Vielversprechende Studiendaten gleich zu drei neuen Biologicals gegen Rheumatoide Arthritis wurden auf dem Europäischen Rheumatologen-Kongress (EULAR 2007) in Barcelona vorgestellt.

Typischer klinischer Befund bei RA: geschwollene Fingergelenke.

Typischer klinischer Befund bei RA: geschwollene Fingergelenke.

Foto: Dr. Edmund Edelmann, Bad Aibling

Über eine große Phase-III-Studie zur Substanz Tocilizumab hat Professor Josef Smolen von der Universität Wien berichtet.

"Die Daten zur Wirksamkeit sind beeindruckend", sagte Smolen in Barcelona. Nach 24 Wochen hatten 59 Prozent der Patienten, die die höchste Dosis Tocilizumab (8 mg) erhielten, eine ACR20-Antwort: Bei ihnen hatten sich Symptome und Krankheitsaktivität um mindestens 20 Prozent gebessert. In der Placebo-Gruppe waren es weniger als die Hälfte.

Ein Viertel der Patienten hatte eine komplette Remission

Noch deutlicher fiel der Unterschied bei der kompletten Remission aus. "Komplette Remission" bei RA bedeutet Beschwerdefreiheit und minimale Krankheitsaktivität auf dem Disease Activity Score 28 (DAS 28) von kleiner 2,6 (Punktzahl von 0 bis 9). Das erreichte in der Placebo-Gruppe keiner, aber jeder vierte von denen, die 8 mg Tocilizumab erhalten hatten. Infektionen traten mit Tocilizumab häufiger auf als mit Placebo. Tuberkulose gab es keine. Vorübergehend stiegen die Werte der Leberenzyme, aber es kam nicht zu Hepatitis oder Leberversagen. Auch das Gesamtcholesterin erhöhte sich bei einigen Patienten geringfügig.

Auf Methotrexat hatten die Patienten nicht angesprochen

An der von Smolen geleiteten OPTION×-Studie nahmen 623 RA-Patienten teil, die auf eine Vortherapie mit Methotrexat (MTX) nicht angesprochen hatten. Alle erhielten weiterhin MTX und zusätzlich entweder sechs Infusionen von je 4 oder 8 mg Tocilizumab alle vier Wochen oder mit Placebo. Erfasst wurde das klinische Ansprechen nach den Kriterien des American College of Rheumatology (ACR).

Noch nicht so nah an einem klinischen Einsatz wie Tocilizumab ist der Antikörper Ofatumumab, zu dem in Barcelona eine Phase-II-Studie vorgestellt wurde.

Auch an dieser Studie nahmen ausschließlich erfolglos vorbehandelte RA-Patienten teil. Nach 24 Wochen hatten 46 Prozent eine ACR20-Antwort erreicht. Zu einer mindestens 50-prozentigen Besserung bei Symptomen und Krankheitsaktivität (ACR50-Antwort) kam es bei 24 Prozent der Patienten, eine mindestens 70-prozentige Verbesserung hatten 6 Prozent. Die entsprechenden Quoten in der Placebo-Gruppe waren 15 Prozent, 5 Prozent und 0 Prozent. Auch bei Ofatumumab sind unerwünschte Wirkungen im Vergleich zu Placebo häufiger, vor allem infusionsassoziierte Ereignisse, darunter Bronchospasmen und vorübergehende Hautreizungen.

Intensive Diskussionen gab es in Barcelona über die Substanz Denosumab. In einer Phase-II-Studie profitierten RA-Patienten klinisch nicht von dem Medikament, jedoch bremste es die Krankheitsprogression radiologisch. Geprüft wurde es in einer Phase-II-Studie bei 227 Patienten, und zwar mit dem Ziel, die Knochenveränderungen aufzuhalten.

Dieses Ziel wurde erreicht: "Die Therapie hatte keinen Einfluss auf klinische RA-Scores, aber das haben wir auch nicht erwartet", sagte Professor Désirée van der Heijde von der Universität Leiden in den Niederlanden.

Radiologisch dagegen hatten mit Denosumab behandelte Patienten nach einem Jahr hochsignifikant weniger Erosionen an den Gelenkflächen.

Auch schnitten sie signifikant besser bei dem wichtigsten radiologischen Verlaufsparameter für RA-Patienten ab, dem Sharp Score. Von der Heijde sieht die Zukunft von Denosumab in der Kombination mit Basistherapeutika oder TNFαα-Blockern.

OPTION×: Tocilizumab pivotal trial in Methotrexat inadequate responders

STICHWORT

Wirkmechanismen

Tocilizumab ist ein Antikörper gegen den Interleukin-6-Rezeptor. Interleukin-6 ist ein wichtiger Botenstoff bei Entzündungen, der etwa Makrophagen, B- und T-Zellen aktiviert.

Ofatumumab bindet an ein Oberflächenmolekül der B-Zellen, das CD20-Antigen und hat so einen ähnlichen Wirkmechanismus wie der schon angewandte Antikörper Rituximab (MabThera®). Wie dieser ist Ofatumumab lang wirksam: Zwei Infusionen in zwei Wochen halten viele Monate.

Denosumab ist ein Antikörper gegen RANKL×, einen Botenstoff, der die knochenabbauenden Osteoklasten stimuliert.

(gvg)

RANKL×: Receptor activator of nuclear factor B ligand

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