Ärzte Zeitung, 21.09.2007

Schneller zum Rheumatologen - das ist auch ein Verdienst der Hausärzte

Jeder Zweite mit Arthritis-Verdacht ist innerhalb von sechs Monaten beim Spezialisten

HAMBURG (hub). Patienten mit Verdacht auf Rheumatoide Arthritis (RA) kommen heute schneller zum Rheumatologen als früher. Das ist auch ein Verdienst der Hausärzte: Sie filtern die Patienten effektiver.

Ein Kollege klärt eine Patientin über ihre Gelenkschmerzen auf. Foto: Wyeth Pharma

Vor zehn Jahren war nur jeder fünfte Patient mit RA innerhalb der ersten sechs Monate beim Rheumatologen, heute schon jeder zweite. "Hausärzte kennen die RA-Verdachtskriterien besser, sie wählen effektiver aus, welche Patienten eine Vorstellung beim Facharzt benötigen", sagte Professor Wolfgang Rüther von der Rheuma-Klinik Bad Bramstedt im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Dabei sieht Rüther auf der fachärztlichen Seite sowohl internistische als auch orthopädische Rheumatologen als Partner des Hausarztes. "Haben Patienten Morgensteifigkeit und Fingergelenkschwellungen, sind sie auch beim Orthopäden gut aufgehoben", so Rüther. Denn von Gelenkerkrankungen verstünden die richtig viel. Die Kooperation zwischen internistischen Rheumatologen und Orthopäden ist eines der Hauptthemen des in Hamburg stattfindenden Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, dessen Präsident der Orthopäde Rüther ist.

Und was sollen Hausärzte mit Patienten mit RA-Verdacht bis zur Vorstellung beim Facharzt machen? "Was die Patienten am meisten ärgert, sind doch die Schmerzen", sagte Rüther. Es spreche nichts dagegen, eine Schmerztherapie mit NSAR einzuleiten. "Das Problem, dass damit die Klinik etwas verschleiert wird, kennen Hausärzte doch auch von anderen Erkrankungen." Das müsse mit den Patienten besprochen und die Symptome müssten richtig dokumentiert werden. Bereits mit einer Steroidtherapie zu beginnen, sieht Rüther kritisch. Das sei in der Regel etwas für den Spezialisten, der sich mit der medikamentösen Therapie für Patienten mit RA gut auskennt.

Und die Therapie ist besser geworden, was man auch an der Rheumachirurgie sehe, so Rüther. "Vor zehn Jahren ging es bei Patienten mit RA meist um Synovektomien, heute geht es meist um die Rekonstruktion der Gelenke." Weit fortgeschritten sei auch die Endoprothetik. Miniaturisierung heißt hier der Trend. "Die Prothesen werden kleiner, die operativen Eingriffe weniger invasiv und die Klinikaufenthalte kürzer", so Rüther. "Das läuft bei rekonstruktiven Eingriffen auf Hochtouren."

Bei www.rheumanet.org (Praxis- und Klinikwegweiser) sind Rheumatologen verzeichnet.

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