Ärzte Zeitung, 08.02.2008

Gemeinsam für bessere Rheumatherapie

Im Berliner Modell arbeitet eine Klinik-Ambulanz eng mit Hausärzten und Rheumatologen zusammen

BERLIN (stü). Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) sollten früh und konsequent therapiert und dabei engmaschig überwacht werden. Dazu ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Patienten, Hausarzt, Rheumatologen und Klinik erforderlich. Wie das ablaufen kann, zeigt das Berliner Modell.

 Gemeinsam für bessere Rheumatherapie

Dr. Rieke Alten untersucht einen Patienten mit Rheumatoider Arthritis. Eine frühe und konsequente Therapie ist entscheidend für die Prognose.

Foto: stü

Werden RA-Patienten unzureichend behandelt, kann das zur Gelenk- destruktion und damit zu schweren Funktionseinbußen führen. Mögliche Folge ist letztendlich die Pflegebedürftigkeit. Doch von einer effektiven Zusammenarbeit aller Beteiligten bei der Therapie ist man oft weit entfernt. "Dabei ist es ganz entscheidend, dass ein Patient mit Verdacht auf RA innerhalb von wenigen Wochen von einem Rheumatologen untersucht wird", erläutert Dr. Rieke Alten, Rheumatologin an der Schlossparkklinik in Berlin. "In Berlin haben wir ein Netz aufgebaut, bei dem unsere Rheuma-Ambulanz in engem Kontakt zu Hausärzten, Rheumatologen, der KV und weiteren Partnern steht."

In Qualitätszirkeln bilden sich Ärzte zu Therapiestandards fort

Wichtiges Element in dieser Inte-grierten Versorgung sind die regelmäßigen Qualitätszirkel. Dort lernen Hausärzte etwa, wann die Verdachtsdiagnose RA zu stellen ist, welche therapeutischen Standards bestehen und wie der Verlauf dokumentiert wird. Internist Dr. Jörg Förstermann ist einer der Hausärzte, die am Berliner Modell teilnehmen. "Wenn einer meiner Patienten die Kriterien für die Verdachtsdiagnose erfüllt, überweise ich ihn sofort in die Rheuma-Ambulanz der Schlossparkklinik", berichtete Förstermann auf einer Veranstaltung des Unternehmens Merck Serono in Berlin. Der Rheumatologe dort macht die Differenzialdiagnostik und startet der Basistherapie.

Zudem erhalten die Patienten in der Klinik physiotherapeutische und physikobalneologische Therapie, Ergotherapie, Diätberatung und Schulung sowie sozialmedizinische Betreuung und damit wichtige Informationen zu Hilfen im Alltag. Bei der weiteren Diagnostik und Therapie werden die Patienten im Verlauf ambulant konsiliarisch weiterbetreut. Gegebenenfalls erfolgt auch eine stationäre Verlaufsbehandlung. Im Berliner Modell werden Parameter zur Krankheitsaktivität, Funktion und Lebensqualität zu Beginn und im weiteren Therapieverlauf in einer Langzeiterhebung erfasst.

Hausarzt bleibt immer erster Ansprechpartner der Patienten

Die Untersuchungsergebnisse werden dem behandelnden Hausarzt übermittelt - denn dieser bleibt erster und kompetenter Ansprechpartner für seine Patienten. "Vom Berliner Modell profitieren nicht nur meine Rheuma-Patienten, sondern auch ich als Hausarzt durch ein effektives Zeit- und Finanzmanagement," so Förstermann.

Liste regionaler Rheumazentren bei www.dgrh.de/rheumazentren.html Verzeichnis rheumatologischer Fachärzte bei www.dgrh.de/wegweiser.html

STICHWORT

Verdachtskriterien

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie nennt folgende Kriterien für die klinische Verdachtsdiagnose einer frühen Rheumatoiden Arthritis:

  • neu oder wiederholt aufgetretene weiche Schwellung eines oder mehrerer Gelenke und zusätzlich eines der Kriterien
  • Morgensteifigkeit der Gelenke von 30 Minuten oder länger
  • erhöhte Entzündungsparameter (BSG oder CRP) (eb)

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