Ärzte Zeitung, 27.05.2008

Jeder zweite Rheumakranke braucht wirksamere Therapien

Interleukin-6-Hemmstoff wird geprüft / Früher Kontakt zu Rheumatologen wichtig

BERLIN (sh). Trotz deutlicher Fortschritte in der Behandlung von Patienten mit Rheumatoider Arthritis spricht jeder zweite nicht ausreichend auf die bislang verfügbaren Therapien an. Substanzen gegen neue Zielstrukturen sollen die Situation verbessern.

 jeder zweite rheumakranke braucht wirksamere therapien

Entzündete Gelenke bei Rheumatoider Arthritis.

Foto: Roche Pharma AG und Chugai Pharma Marketing Ltd.

Ein Grund für die unzureichenden Therapieerfolge sei die zu seltene und häufig zu späte Konsultation eines Spezialisten, sagte Dr. Rieke Alten von den Schlosspark-Kliniken in Berlin. Bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) dauere es eineinhalb Jahre, mit Morbus Bechterew über fünf Jahre, bis sie den ersten Kontakt mit einem Rheumatologen hätten, so Alten bei einer Veranstaltung der Unternehmen Roche Pharma und Chugai Pharma. Gerade bei RA kann jedoch durch eine frühe adäquate Therapie das Fortschreiten verhindert oder aufgehalten werden.

Ein neuer Therapieansatz befindet sich derzeit mit dem Interleukin (IL)- 6-Rezeptorblocker Tocilizumab in Phase III der klinischen Prüfung. Dieser humanisierte Antikörper würde aufgrund seiner Verträglichkeit und Wirksamkeit mindestens auf der gleichen Anwendungsstufe wie TNFa-Blocker stehen, sagte Alten. Geeignet für die Therapie mit dem IL-6-Rezeptorblocker sind aus ihrer Sicht vor allem Patienten mit hoher Entzündungsaktivität, also hohen CRP-Werten, Patienten mit vielen geschwollenen Gelenken und mit rasch progredienter Erkrankung, aber auch Patienten mit Osteoporose-Neigung.

Tocilizumab muss alle vier Wochen infundiert werden. Dass die Patienten hierzu in die Klinik oder in Praxis kommen müssen, habe auch Vorteile. Das verbessere und erleichtere ihre klinische Betreuung, so die Berliner Rheumatologin.

Ein Verzeichnis von Rheumatologen mit Früharthritis-Sprechstunde gibt es hier: www.rheumanet.org - Praxis- und Klinikwegweiser klicken

STICHWORT

Monoklonale Antikörper

Definition: Der Name monoklonaler Antikörper rührt daher, dass die Zellen für die Herstellung sämtlich von einer einzigen B-Zelle stammen, also ein Klon sind.

Therapien: Therapeutisch werden monoklonale Antikörper schon lange eingesetzt. Etwa bei Mamma-Ca Trastuzumab (Herceptin®), ein gegen den HER2/neu-Rezeptor von Brustkrebszellen gerichteter Antikörper.

Im Rheumabereich sind es die gegen TNFa gerichteten Adalimumab (Humira®) und Infliximab (Remicade®) sowie der gegen CD-20-positive B-Zellen wirkende Rituximab (MabThera®).

Nomenklatur: Die Endung der Antikörper ist wichtig, an ihr wird die Art des Antikörpers unterschieden:

-omab: reiner Mausantikörper

-ximab: chimärer Antikörper, Mischung aus Maus- und Menschanteil, ein großer Bereich der Antigen-bindenden Domäne (Fab) stammt von der Maus

-zumab: humanisierter Antikörper, nur ein kleiner Bereich für die Antigen-Bindung kommt von der Maus

-mumab: komplett humaner Antikörper.

(hub)

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