Ärzte Zeitung, 13.02.2009

Erster Interleukin-6-Hemmer gegen Arthritis

Mit Tocilizumab ist ab sofort ein Biological mit neuem Wirkprinzip zur Therapie bei Rheumatoider Arthritis (RA) verfügbar. Tocilizumab (RoACTEMRA®) ist ein humanisierter Antikörper, der Interleukin-6 (IL-6) hemmt.

Von Susanne Heinzl

Schematische Darstellung entzündeter Fingergelenke bei Rheumatoider Arthritis.

Foto: Roche Pharma, Chugai Pharma

Der Antikörper ist in Kombination mit Methotrexat (MTX) für die Behandlung erwachsener Patienten mit mäßiger bis schwerer aktiver RA zugelassen. Voraussetzung: Sie haben unzureichend auf eine Therapie mit einem oder mehreren krankheits-modifizierenden Antirheumatika (DMARD) oder TNFα-Blocker angesprochen oder diese nicht vertragen. Tocilizumab kann bei diesen Patienten auch als Monotherapie angewandt werden, wenn sie MTX nicht vertragen oder eine weitere Therapie mit MTX nicht sinnvoll erscheint.

Der IL-6-Blocker ist in einem umfangreichen Phase-III-Programm klinisch geprüft worden, hat Privatdozentin Andrea Rubbert-Roth von der Uni Köln berichtet. In die weltweiten fünf randomisierten, kontrollierten Studien waren über 4200 Patienten eingeschlossen gewesen, so die Rheumatologin bei einer Veranstaltung von Roche Pharma und Chugai Pharma in Köln.

In drei Studien wurde übereinstimmend gezeigt, dass mit Tocilizumab selbst bei Patienten mit hochaktiver Erkrankung und mit unzureichendem Ansprechen auf DMARD bei 19 Prozent der Patienten ein ACR-70-Ansprechen - also eine 70-prozentige Symptomreduktion - erreicht werden kann. Ein ACR-50-Ansprechen zeigten 37 Prozent.

Bei etwa 30 Prozent der Patienten wurde sogar eine Remission erzielt. Ihr Wert im Disease Activity Score 28 (DAS 28, Werte von 0 bis 10) lag unter 2,6 Punkten.

Dass der IL-6-Hemmer auch in Monotherapie wirksam ist, hat die AMBITION*-Studie belegt, so Rubbert-Roth. Dabei sei Tocilizumab in Monotherapie stärker wirksam als Methotrexat. Und schon nach zwei Wochen Behandlung könne man bei einem Teil der Patienten sehen, dass Tocilizumab wirke. Je früher die Therapie einsetze, umso eher gelinge es, die Patienten in Remission zu bringen. So erreichten 42 Prozent der RA-Patienten mit einer Erkrankungsdauer unter zwei Jahren bei Therapie mit Tocilizumab eine Remission.

Zwar gibt es derzeit noch keine Biomarker, mit deren Hilfe entschieden werden kann, welches die optimale Therapiestrategie für einen RA-Patienten ist, bedauerte Rubbert-Roth. Für die Behandlung mit Tocilizumab kommen ihrer Ansicht nach besonders Patienten mit Anämie, ausgeprägter Leistungseinschränkung oder Fieber als Begleitsymptom infrage.

*AMBITION steht für Actemra versus Methotrexate double blind investigative trial in monotherapy

IL-6: vielfältige Wirkungen im Organismus

Das Zytokin Interleukin-6 (IL-6) spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Regulierung akuter und chronischer Entzündungen. Bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) wurden erhöhte Konzentrationen von IL-6 und löslichem IL-6-Rezeptor nachgewiesen, besonders in der Synovialmembran.

Ferner behindern erhöhte IL-6-Konzentrationen die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung sowie die Eisenfreisetzung aus den Speichermakrophagen. Eine IL-6-Erhöhung geht mit Anämie und Fatigue einher.

Hohe IL-6-Spiegel führen zur Osteoklastenaktivierung, die zu Schäden an Knochen und Knorpel und damit zu einer irreversiblen Schädigung des Gelenks führt. IL-6 ist der Hauptstimulator des C-reaktiven Proteins (CRP). Hohe CRP-Spiegel gehen bekanntlich mit erhöhtem Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. (sh)

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