Ärzte Zeitung online, 21.08.2009

Rheuma-Video offenbart Entzündungsherde frühzeitig

BERLIN (eb). Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), Institut Berlin, haben zusammen mit mehreren Partnern eine neue Früherkennungsmethode für Rheuma entwickelt. Ihr optisches Rheuma-Bildgebungsverfahren arbeitet mit einem Fluoreszenz-Farbstoff, der von nah-infrarotem Licht angeregt wird, und ist nach Angaben der PTB absolut unschädlich.

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Die Hände einer Rheuma-Patientin, 45 Sekunden nach der Injektion des Kontrastmittels. Die Aufnahmen wurden mit dem 2-Hand-Imager der PTB gemacht.

Foto: Abb.: PTB

Mit dem Verfahren können Rheumaherde früher als mit einem Röntgengerät und preiswerter als mit einem Magnetresonanztomografen entdeckt werden. Nach vielversprechenden Ergebnissen einer noch laufenden klinischen Vorstudie hat die Berliner Medizintechnikfirma mivenion die Lizenzrechte von der PTB erworben, um eine größere Studie vorzubereiten.

Auch die gesetzlichen Krankenkassen haben bereits Interesse an dem Bildgebungsverfahren gezeigt, wie die PTB mitteilt. Das neue Verfahren soll die Rheumadiagnostik und -behandlung deutlich kostengünstiger machen - zumal ein neues, spezifisches Rheuma-Kontrastmittel es zukünftig noch einen Schritt besser machen könnte.

Bei der neuen Untersuchung leuchten zuerst die Fingerspitzen

Zuerst leuchten die Fingerspitzen, dann wandert das Kontrastmittel in Richtung des Handgelenkes weiter, live unter den Augen von Patient und Arzt. Sammelt sich der Farbstoff an bestimmten Gelenken, dann ist das für den Arzt ein Hinweis auf einen Rheumaherd. Wenige Minuten dauert die Untersuchung; sie ist schmerz- und nebenwirkungsfrei. Denn was den Farbstoff zum Leuchten anregt, das Nahinfrarotlicht (NIR-Licht), ist gerade eben nicht mehr sichtbar, sondern schon nah an der Infrarot- oder Wärmestrahlung und dringt daher deutlich weiter in den Körper ein als sichtbares Licht. Trifft es im Körper auf ein Farbstoffmolekül, dann beginnt dieses zu leuchten und verrät so den Ort, an dem es sich gerade aufhält.

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Proband mit gesunden Händen, 45 Sekunden nach der Injektion des Kontrastmittels. Die Aufnahme wurde mit dem 2-Hand-Imager der PTB gemacht.

Foto: Abb.: PTB

Da der zurzeit noch verwendete Farbstoff passiv mit dem Blut mitschwimmt, liefert eine hochempfindliche, bildhafte Detektion des Fluoreszenzlichtes Aufschluss über die Stärke der Durchblutung am jeweiligen Ort; in einem Rheumaherd ist die Durchblutung höher als in gesundem Gewebe.

Noch besser ist es, wenn man einen Farbstoff einsetzt, der nicht passiv im Blut mitschwimmt, sondern eine spezifische Wechselwirkung mit entzündlichen Prozessen eingeht. Einen solchen Farbstoff, ein fluoreszierendes Antikörperkonjugat namens AP39-TSC, entwickelt von der Bayer Schering Pharma, haben Forscher der PTB und Charité gemeinsam mit dem neuen Gerät getestet. Und tatsächlich ließen sich damit bei Ratten Rheumaherde in den Sprunggelenken noch besser darstellen.

Die Studien werden derzeit mit einem bewährten Farbstoff gemacht

Weil es sehr aufwändig ist, bis ein neues Kontrastmittel für den Einsatz beim Menschen zugelassen ist, wird in den klinischen Studien bislang mit dem bewährten Farbstoff Indocyaningrün gearbeitet. An der aktuellen klinischen Studie, die von der Firma mivenion koordiniert wird und fast abgeschlossen ist, sind neben der PTB die HELIOS-Kliniken in Berlin-Buch und Bad Saarow beteiligt. Die Studie wird von der Investitionsbank Berlin (IBB) gefördert und mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt.

Weil die aktuelle Studie vielversprechende Ergebnisse liefert, soll bald eine multizentrische klinische Studie folgen, an der bundesweit mehrere Kliniken beteiligt sein werden. Zu deren Vorbereitung, insbesondere zur Herstellung weiterer Geräte zur Fluoreszenz-Rheumabildgebung, hat nun die Berliner Medizintechnikfirma mivenion die Lizenzrechte von der PTB erworben. Inzwischen sind die ersten Geräte bereits an rheumatologische Kliniken geliefert worden.

Weitere Informationen: www.mivenion.de/

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