Ärzte Zeitung online, 14.09.2010

Rheuma erhöht Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Rauchen verstärkt Rheuma-Symptome und mindert die Wirkung von Arzneien

Rheuma erhöht Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

HAMBURG (eb). Eine entzündlich-rheumatische Erkrankung schädigt nicht nur die Gelenke. Auch Blutgefäße werden in Mitleidenschaft gezogen. Rheumapatienten haben deshalb ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) im Vorfeld ihres Jahreskongresses hin.

Rheuma erhöht Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Rauchen hat viele negative Auswirkungen, bei Rheuma verstärkt es die Gelenksymptome.

© Deutsche Rheuma-Liga

Etwa 440 000 Menschen in Deutschland leiden an einer Rheumatoiden Arthritis (RA). Bei dieser häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe in den Gelenken an. Es kommt zu einer Entzündung, die nicht nur den Bewegungsapparat betrifft, sondern zum Beispiel auch die Wände der Blutgefäße. Zudem tritt bei Rheumapatienten vermehrt eine Verkalkung der Gefäße, eine Atherosklerose, auf. "Sie haben dadurch ein um 30 bis 60 Prozent höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden", so Professor Jürgen Braun, Ärztlicher Direktor des Rheumazentrums Ruhrgebiet in Herne, in einer Mitteilung der DGRh. "Die Gefahr steigt weiter, wenn die Patienten erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht haben."

Rauchen fördert Entstehung von entzündlichem Rheuma

Eine besonders schädliche Wirkung hat das Rauchen. Denn die Inhaltsstoffe des Tabaks begünstigen die Bildung von entzündungsfördernden Antikörpern. Gleichzeitig verschlechtern sie die Blutversorgung zum Gelenkknorpel. "Rheumapatienten, die rauchen, haben stärkere Schmerzen, benötigen eine höhere Dosis an Medikamenten und haben insgesamt schlechtere Funktionsergebnisse", sagt Braun. Bei Menschen mit einer Vorbelastung für die Entwicklung einer RA könne Rauchen sogar den Ausbruch der Erkrankung beschleunigen.

Ein Rauchstopp führt nicht nur dazu, dass die Krankheit milder verläuft und die Medikamente besser helfen. Er senkt auch das Risiko für Begleiterkrankungen an Herz und Niere. Dieses ist bei rheumatischen Erkrankungen an sich schon deutlich erhöht und wird durch das Rauchen zusätzlich gesteigert.

Eine frühe Rheumatherapie schützt Gelenke und Gefäße

Eine frühzeitige Behandlung von Patienten mit dieser rheumatischen Erkrankung schützt ebenfalls Herz und Blutgefäße. Da sie die Entzündung im Körper hemmen, lindern bestimmte Rheumamedikamente nicht nur die Gelenkbeschwerden. Sie können darüber hinaus auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern. Dies gilt zum Beispiel für den Wirkstoff Methotrexat, ein Basistherapeutikum, das langfristig das Fortschreiten der Rheumaerkrankung verlangsamt. "Durch die Einnahme des Medikamentes sinkt das Herzinfarktrisiko um 18 Prozent, das Schlaganfallrisiko um 11 Prozent", berichtet Braun. Aber auch für andere Medikamente, wie zum Beispiel die sogenannten TNFα-Blocker, werde eine schützende Wirkung angenommen. "Ein frühzeitiger Therapiebeginn ist bei rheumatischen Erkrankungen von entscheidender Bedeutung - nicht nur für die Gelenke, sondern auch für die Auswirkungen des Rheumas auf Herz und Kreislauf", so Braun.

Die Risiken einer rheumatischen Erkrankung für Herz und Kreislauf sind ein Thema auf dem 38. DGRh-Kongress vom 15. bis zum 18. September 2010. Dieser findet gemeinsam mit der 20. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) und der 24. Jahrestagung der Assoziation für Orthopädische Rheumatologie (ARO) im CCH Congress Centrum Hamburg statt.

1,5 Millionen Deutsche haben entzündliches Rheuma

Unter dem Begriff Rheuma fassen Experten mehr als 100 verschiedene entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates zusammen. Auch die verschleißbedingten Krankheiten wie Arthrose zählen zum sog. "rheumatischen Formenkreis". Menschen jeden Alters sind von diesen oft schweren, schmerzhaften und vielgestaltigen Erkrankungen betroffen: Etwa 1,5 Millionen Deutsche leiden allein an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Durchschnittlich dauert es 13 Monate bis Betroffene mit einer rheumatoiden Arthritis zu einem Rheumatologen gelangen und dort Hilfe finden.

www.dgrh-kongress.de

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