Ärzte Zeitung, 05.04.2013

Internistenkongress

Rheuma, Gicht und Co. auf der Spur

Systemische Entzündungen wie Rheumatoide Arthritis oder Gicht sind eine große Herausforderung im ärztlichen Alltag. Der neue Forschungszweig Epigenetik könnte nun den Erkrankungen auf die Spur kommen.

Rheuma, Gicht und Co. auf der Spur

Was spielt sich im Immunsystem von Patienten ab, die Rheumatoide Arthritis bekommen?

© W. Bolten, Merckle Rheumatologie

WIESBADEN. Wie entstehen entzündliche Krankheiten wie Rheuma und Gicht? Welchen Verlauf werden sie im Einzelfall nehmen? Welche Therapien kommen in Frage? Und wie lassen sich diese Störungen des Immunsystems vielleicht einmal heilen?

Darüber referieren zwei international renommierte Experten im Rahmen der Plenarvorträge am Sonntag, 7. April, in Wiesbaden.

In den letzten Jahren ist bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen ein junger Forschungszweig der Biologie, die Epigenetik, in den Fokus des Interesses gerückt, erinnert die DGIM in einer Mitteilung (Internist 2013; 54: 89).

Sie befasst sich mit den molekularen, so genannten epigenetischen Mechanismen, durch die Gene gesteuert und "an"- und "abgeschaltet" werden.

Bei vielen Krankheiten ist die Genregulation auf epigenetischer Ebene verändert. So werden ja bei Krebs Zellteilungsgene, die in einer gesunden Zelle blockiert sind, vermehrt abgelesen. Gleichzeitig sind wichtige Kontrollgene, die die Zerstörung entarteter Zelle einleiten, ausgeschaltet.

Steffen Gay spricht über Epigenetik

Der bekannteste Mechanismus, mit dem die Aktivität der Gene gesteuert wird, ist die Methylierung bestimmter Nukleotide der DNS. Wenn Methylgruppen an der DNS andocken, kann die nachfolgende Gensequenz nicht abgelesen werden. Methylierte DNA-Abschnitte agieren somit als "Ausschalter".

Ein weiterer epigenetischer Mechanismus ist die Histonacetylierung. Der zwei Meter lange DNS-Strang ist um Histone gespult dicht in den Zellkern gepackt. Kleine Moleküle, Acetylgruppen, helfen, den DNS-Strang zu lockern, sodass die Gene dort "ablesbar", also "angeschaltet" werden.

Mit epigenetischen Veränderungen, die bei chronischer Entzündung, Autoimmunerkrankungen und speziell bei der Rheumatoiden Arthritis ablaufen, beschäftigt sich der Plenarvortrag von Professor Steffen Gay.

Er beschreibt die Deregulation der DNA-Methylierung und Histonmodifikationen, die sich im Immunsystem der Erkrankten abspielen und in die Rheumatoide Arthritis münden.

Der Professor für experimentelle Rheumatologie und leitende Arzt des Centers for Experimental Rheumatology des Universitätsspitals Zürich und Direktor des EULAR Center of Excellence in Rheumatology gibt einen Ausblick auf zukünftige Möglichkeiten einer epigenetischen Therapie. Ebenso befasst er sich mit der Fragestellung, wie man sich gesund erhalten kann.

Zytokine regulieren die Immunreaktionen des Körpers auf Infektionen, Verletzungen und Malignome. Professor Charles Dinarello von der University of Colorado, School of Medicine (Denver) gilt als einer der Gründungsväter der modernen Zytokinbiologie.

Als Erster isolierte er den Botenstoff Interleukin-1-beta und etablierte die Anwendung von Interleukin-1-Hemmstoffen, darunter monoklonale Antikörper, für die Therapie. Interleukininhibitoren kommen heute beispielsweise bei der Behandlung von Patienten mit periodischen Fiebersyndromen, Rheumatoider Arthritis, Gicht und anderen inflammatorischen Erkrankungen zum Einsatz.

Charles Dinarello: Zytokin-Forscher

In seinem Plenarvortrag "Treating inflammation with Interleukin-1 Blockers" gibt er einen Überblick über sein Forschungsgebiet mit einem Schwerpunkt auf systemischer Inflammation. Professor Dinarello war als Professor für Medizin und Pädiatrie an der Tufts University School of Medicine in Boston sowie am New England Medical Center Hospital in Boston tätig, bevor er 1996 an die Universität von Colorado School of Medicine in Denver wechselte.

Für seine Forschungen auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten und der Zytokine wurden ihm zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen zuteil, in Deutschland erhielt er bereits 1993 den Ernst-Jung-Preis für Medizin, 1996 die Ludwig-Heilmeyer-Gold-Medaille, den Carol Nachman Preis für Rheumatologie, zuletzt den Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter-Preis 2010. (mal)

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