Ärzte Zeitung, 06.09.2016

Rheuma

Physikalische Therapie punktet

Eine Rheuma-Therapie ohne Physikalische Therapie? Für Experten ist eine solche Behandlung unvollständig.

Von Marco Mrusek

Physikalische Therapie punktet

Eine physikalische Therapie senkt oft die nötigen Schmerzmitteldosen für Rheuma-Patienten.

© suemack / iStock / Thinkstock

FRANKFURT / MAIN. Bei der Behandlung von Rheuma-Patienten sollten alle Chancen der physikalischen Therapie genutzt werden. Sie senke oft die nötigen Schmerzmitteldosen für die Patienten. Daran erinnerte Professor Uwe Lange von der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim beim Rheuma-Kongress in Frankfurt am Main.

Eine Rheuma-Therapie ohne physikalisch-therapeutische Maßnahmen sei immer unvollständig, da entzündlich-rheumatische Erkrankungen durch solche Maßnahmen meist gut beeinflussbar seien. "Physikalische Therapie kann Medikamente zwar nicht komplett, aber zumindest zum Teil ersetzen und sollte daher immer Teil der Rheuma-Therapie sein", kommentierte Lange.

Anwendungen müssen überwacht werden

Er gab jedoch zu bedenken, dass es sich dabei um eine eigenständige Behandlungsform mit eigenen Indikationen und Kontraindikationen handle. Die Anwendungen müssten also ebenso wie eine medikamentöse Therapie überwacht werden.

Eine geänderte Krankheitsaktivität etwa mache eine Behandlungsanpassung notwendig. Das liege daran, dass die Maßnahmen in der Regel belastend und nicht entlastend seien. Bei einer "seriellen Therapie" seien Therapiepausen zwischen den Behandlungen erforderlich. Ist der Krankheitsprozess zum Beispiel akut und floride, müsse vorsichtiger dosiert werden.

Bewegung kann Rheuma-Schübe lindern

Entscheidend sei aber, bei den Patienten ein Bewusstsein dafür zu wecken, dass selbst bei akuten und schmerzhaften Rheuma-Schüben Bewegung - wenn professionell begleitet und richtig ausgeführt - Linderung verschaffen könne, so Lange.

Lange führte eine noch nicht veröffentlichte eigene Studie an, nach der bei Patienten mit Ankylosierender Spondylitis (M. Bechterew) und Rheumatoider Arthritis bei serieller Ganzkörpertherapie im Radonstollen eine signifikante Abnahme der Schmerzen beobachtet wurde.

Noch bis zu drei Monate nach Ende der Therapie gaben über 80 Prozent der Patienten an, dass sie weniger Schmerzen hätten und weniger Schmerzmittel benötigen würden. Zudem konnte nach Angaben von Lange ein Rückgang der Entzündungswerte beobachtet werden sowie eine positive Beeinflussung molekularer Mechanismen der entzündungsbedingten Osteoporose.

Wer rastet, der rostet - das gilt auch für Rheumatiker

Lange betonte in Frankfurt, dass Rheuma-Kranke nach Sozialgesetzbuch V ein Recht auf eine physikalische Therapie hätten. Auch deshalb, um die Alltagsaktivitäten fortzuführen. "Das ist das Entscheidende dabei. Also ich würde sagen: Nach wie vor gilt der alte Spruch ,Wer rastet, der rostet‘ - das gilt auch für den Rheumatiker!"

Die Verordnungen seien zudem extrabudgetär und Anwendungen könnten auch über ein Jahr hinaus verordnet werden. Lange rät in diesem Zusammenhang, die physikalische Therapie dann mit dem Zusatz "aus gruppendynamischen Gründen indiziert" zu verordnen.

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