Ärzte Zeitung, 04.10.2016

Rheuma

Rauchstopp oder Ernährungsumstellung - Was hilft wirklich?

Was können Rheumatiker selbst tun, um ihre Erkrankung positiv zu beeinflussen? Eine Expertin gibt Tipps für die Praxis.

Ein Gastbeitrag von Professor Erika Gromnica-Ihle.

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Viele Rheumatiker wollen den Krankheitsverlauf selbst beeinflussen.

© blueflames / iStock

Fast alle von Rheuma Betroffenen stellen ihren Ärzten die Frage: "Was kann ich selbst gegen meine Erkrankung tun?" Lebensstiländerungen können rheumatische Erkrankungen günstig beeinflussen und werden immer noch zu wenig beachtet.

Seit fast 30 Jahren ist bekannt, dass Rauchen zum Ausbruch einer Rheumatoiden Arthritis (RA) beitragen kann. Zahlreiche folgende Studien bestätigten, dass Rauchen das Risiko, an einer RA zu erkranken, deutlich erhöht. Wer raucht oder jemals geraucht hat, zeigt ein um 40 Prozent höheres Risiko, eine RA zu entwickeln als ein Nichtraucher.

Rauchen und hoher Kochsalzkonsum

Rauchstopp oder Ernährungsumstellung - Was hilft wirklich?

Professor Dr. med. Erika Gromnica-Ihle, ist Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga

© Deutsche Rheuma-Liga

Inzwischen konnte in einer Metaanalyse aus zehn Studien an 4552 Patienten mit RA durch eine schwedische Arbeitsgruppe um Daniela Di Giuseppe nachgewiesen werden, dass die Beziehung zwischen Rauchen und Krankheitsentstehung nicht linear verläuft: Das Risiko war bei Rauchern mit 1 bis 10 Packungsjahren um 26 Prozent (RR 1,26) höher, eine RA zu entwickeln als bei Nichtrauchern(1,0).

Bei jenen mit 21 bis 30 Packungsjahren verdoppelte sich das Risiko (RR 1,94), bei noch stärkerem Rauchen (>40 Packungsjahre) blieb es ähnlich (RR 2,07). Somit haben auch die Raucher, die nur wenige Zigaretten pro Tag über viele Jahre rauchen, ein erhöhtes RA-Risiko.

Bei Raucherinnen konnte gezeigt werden, dass der Verzicht auf Zigaretten, das Risiko einer RA zwar reduziert, aber nicht aufhebt. Hohe Kochsalzeinnahmen sollen bei Rauchern das Risiko, eine RA zu entwickeln, um möglicherweise 54 Prozent erhöhen.

Was liegt der Korrelation zugrunde?

Was liegt der Korrelation zwischen Rauchen und RA zugrunde? Die Arbeitsgruppe um Lars Klareskog konnte als erste zeigen, dass der Umweltfaktor Rauchen zur Citrullinierung von Proteinen führt. Diese veränderten Proteine werden vom Organismus als fremd angesehen und er entwickelt (Auto-)Antikörper dagegen, die sogenannten anti-Citrullin-Peptid/Protein-Antikörper (ACPA).

Dieser Prozess findet offenbar zuerst in der Lunge statt. Die ACPA gehen dem Auftreten der klinischen Symptome der RA oft um viele Jahre voraus. Erst in letzter Zeit wurden bestimmte Genvarianten bei ACPA-positiven RA-Patienten nachgewiesen, die besonders mit Rauchen und der Entwicklung einer RA in Zusammenhang stehen.

Nun ist auch bekannt, dass Raucher eine höhere Krankheitsaktivität als Nichtraucher aufweisen. Die Krankheitslast ist bei Menschen mit RA und einem deutlichen Übergewicht nochmals stärker. Bei Männern, die rauchen, wird die Chance auf eine Remission der RA verringert.

Rolle von Ernährung unbestritten

In den letzten Jahren konnte mehrfach nachgewiesen werden, dass Raucher auch eine stärkere radiologische Progression aufweisen, d.h. sie haben eine stärkere Zerstörung ihrer Gelenke als Nichtraucher. Das Ansprechen auf die krankheitsmodifizierende Therapie ist bei Rauchern schlechter als bei Nichtrauchern.

Das gilt sowohl für herkömmliche Basistherapeutika wie Methotrexat als auch für die Biologika der Gruppe der Tumor-Nekrose-Hemmer.

Als Resultat sollte Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen dringend vom Rauchen abgeraten werden; besser noch, es sollte erst gar nicht angefangen werden zu rauchen. Aber noch immer rauchen nach den Angaben der dokumentierenden deutschen Rheumazentren 30 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen mit Rheumafaktor-positiver RA. Somit ist noch viel Aufklärung nötig.

Unbestritten spielt auch die Ernährung eine große Rolle bei rheumatischen Erkrankungen. Übergewicht führt zu Arthrose der gewichttragenden Gelenke. Die Gicht erfordert eine purinarme Ernährung. Hinsichtlich der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist nur die RA gut untersucht.

Kohortenstudie aus Schweden

Der wichtigen Frage, ob die Ernährung einen Einfluss auf die Entstehung der RA hat, wird seit langem nachgegangen. Eine große Rolle spielt dabei die Mittelmeer-Diät. Sie beinhaltet viel Gemüse, Obst, Fisch und Meeresfrüchte, Vollkornprodukte und Olivenöl, aber wenig rotes Fleisch.

Aktuell beschrieben Hu und Mitarbeiter aus Boston, USA, in zwei Kohortenstudien an 174.638 Frauen, die über lange Zeit beobachtet wurden, keinen Zusammenhang zwischen einer mediterranen Diät und dem RA-Risiko. Interessanterweise scheint moderater Alkoholkonsum das Risiko für eine RA zu verringern. Frauen profitieren besonders.

Offenbar haben auch Omega-3-Fettsäuren einen prophylaktischen Effekt. Eine Kohortenstudie aus Schweden konnte zeigen, dass diejenigen Frauen, die besonders häufig Fisch und Meeresfrüchte aßen, ein deutlich geringeres Risiko hatten, an einer RA zu erkranken.

Positiver Effekt der Mittelmeer-Diät

Wer über einen langen Zeitraum wöchentlich wenigstens einmal Fisch zu sich genommen hatte, verringerte das Risiko um 30 Prozent. Es ist derzeit noch unklar, ob die niedrigen Vitamin-D-Serumwerte, die bei RA-Patienten gefunden werden, eine Ursache für die RA oder eine Folge der RA sind. Somit kann auch noch nicht beantwortet werden, ob Vitamin-D-Mangel die Inzidenz für RA erhöht.

Hinsichtlich der Beeinflussung des Krankheitsverlaufs durch bestimmte Diäten sei auf ein Cochrane-Review verwiesen. Hierbei wurden in einer Übersichtsarbeit von 15 kontrollierten Studien bei 837 Patienten mit RA zu unterschiedlichen Diäten nur wenige Anhaltspunkte für deren Wirksamkeit gefunden.

Ein Effekt der Mittelmeer-Diät bei RA konnte in einer kleinen Studie (Verumgruppe n=26) nachgewiesen werden. Ein positiver Effekt auf ein metabolisches Syndrom und kardiovaskuläre Erkrankungen bei RA kommt bei dieser Diät hinzu.

Manche Speisen werden schlecht vertragen

Mäßiger Alkoholgenuss wirkt sich günstig auf Krankheitsaktivität und Fortschreiten der Gelenkzerstörung aus. Allerdings ist eine gleichzeitige leberschädigende Wirkung der Rheumamittel zu beachten, sodass besonders im Zusammenhang mit Methotrexat-Einnahme ein zusätzlicher Alkoholgenuss problematisch ist.

Manche Patienten beobachten beim Genuss bestimmter Speisen eine Zunahme ihrer Beschwerden. Entsprechende Nahrungsmittel sind dann zu meiden.

Hinsichtlich der Substitution von Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln haben die Omega-3-Fettsäuren in überwiegend kleinen Studien Hinweise auf moderate Verbesserungen bezüglich Schmerzen, Gelenkschwellungen, Dauer der Morgensteifigkeit, Krankheitsaktivität und NSAR-Verbrauch geliefert.

Die Gabe von Vitamin D in Mangelsituationen ist notwendig. Für weitere Substanzen ist die Studienlage dürftig.

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