Ärzte Zeitung online, 22.10.2008

Chirurgen entfernen Niere über Vagina - das Verfahren heißt NOTES

BERLIN (dpa). Berliner Chirurgen haben nach eigenen Angaben bundesweit erstmals einer Patientin eine Niere über die Vagina entfernt. Ziel sei es gewesen, der 44-jährigen Frau einen Bauchschnitt, Wundschmerzen und sichtbare äußere Narben zu ersparen, teilte das Helios-Klinikum Berlin-Buch am Mittwoch mit.

Weltweit seien allein aus den USA ähnliche Op-Verfahren bekannt. Bisher wurden in Deutschland bereits Gallenblasen über die Vagina entfernt. Die neue Methode - Operationen über natürliche Körperöffnungen - heißt NOTES (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery). Einige Mediziner sehen diese neue Verfahren allerdings auch kritisch und geben ein höheres Infektionsrisiko zu Bedenken.

Die jüngste Operation in Berlin war notwendig geworden, weil in der Niere der Patientin ein Tumor wuchs. Normalerweise ist für die Entfernung einer Niere nach Angaben der Klinik ein Bauchschnitt von 15 bis 20 Zentimetern Länge notwendig. Dabei werden Muskeln, kleine Nervenstränge und Gefäße zwangsläufig durchtrennt. Die Entfernung des Organs durch die Vagina erspare der Patientin diese Belastung, teilte das Klinikum weiter mit.

Die 44-jährige konnte die Klinik bereits nach sechs Tagen verlassen. Bei offenen Eingriffen sind nach Helios- Angaben bis zu 17 Tage Aufenthalt in der Klinik nötig.

Unumstritten sind solche neuen Verfahren, die natürliche Körperöffnungen nutzen, allerdings nicht. 2007, bei der Entfernung der ersten Gallenblase durch die Vagina in Deutschland (Hamburg), kritisierten Fachkollegen zum Beispiel das höhere Infektionsrisiko im Körper.

Denn um das kranke Organ aus dem Körper zu ziehen, müsse immer noch ein Schnitt im Vaginalbereich gesetzt werden - von innen. Außenhaut ließe sich aber sicherer desinfizieren, argumentierte Professor Hartwig Bauer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Das Risiko einer Bauchfellentzündung könne bei einem Schnitt im Körper größer sein als außen an der Bauchdecke. Den Beweis eines Vorteils für Patienten könnten erst Langzeitstudien zeigen.

Die Befürworter der Technik lobten 2007 dagegen die guten kosmetischen Ergebnisse nach Entfernung der Gallenblase.

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