Ärzte Zeitung, 21.04.2009

Stoßwellen zertrümmern auch bei Kindern die Harnsteine gut

Erfolgsrate mit ESWL bei über 70 Prozent / Keine Hinweise auf Gefahr für Nieren

STOCKHOLM (arn). Bewegungsmangel und eine salzhaltige Ernährung mit Pommes, Wurst und Hamburgern sehen Experten als eine Ursache für die steigende Harnsteinprävalenz bei Kindern. Sie raten bei Steinen über 4 mm zur extrakorporalen Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL) als Therapie der Wahl. Offene Eingriffe sind nur selten nötig.

Kalzium-Oxalat-Stein der ableitenden Harnwege. i

Foto: Hesse, Universität Bonn

Nach Daten einer US-Studie hat sich die Prävalenz von Harnsteinen bei Kindern in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht. Schätzungen gehen davon aus, dass inzwischen zwei bis drei Prozent der Kinder unter sechs Jahren Probleme mit Harnsteinen bekommen.

Typisch für Steinleiden bei Kindern sind rezidivierende Harnwegsinfekte, wiederholte starke Unterleibschmerzen, schwere Hämaturie. Darauf hat Professor Serdar Tekgul aus Ankara in der Türkei auf einem Urologiekongress in Stockholm hingewiesen. Das klinische Bild ist dabei altersabhängig: Während Jugendliche über Flankenschmerzen und Hämaturie klagen, sind bei kleinen Kindern unspezifische Symptome wie Erbrechen, Reizbarkeit und Bauchschmerzen typisch.

Als Diagnosemethode der Wahl nannte Tekgul die Sonografie. Allerdings können kleinere Steine und Steine im Harnleiter dabei leicht übersehen werden. Ein intravenöses Pyelogramm bezeichnete er initial zur Diagnose als nicht sinnvoll. Gute Erfahrungen auch bei Kindern hat Tekgul dagegen mit dem Spiral-CT gemacht, mit dem Nieren- und Uretersteine erheblich zuverlässiger entdeckt werden als im Ultraschall. Die Strahlenbelastung entspricht etwa 20 bis 25 Prozent der bei Kleinkindern jährlich erlaubten Dosis. Unter 4 mm große, nicht obstruierende Steine ohne schwere Symptome und begleitende Infektion können konservativ angegangen werden, sie bilden sich nach Tekguls Erfahrungen meist von selbst zurück.

Bei den übrigen Steinen ist die ESWL heute auch bei Kindern meist die Methode der Wahl; sie kann unter Analgosedierung vorgenommen werden. Anfängliche Befürchtungen, dass die sich noch entwickelnde Niere und der Knochen geschädigt werden könnten, haben sich nicht bewahrheitet. Hohe Erfolgsraten von 70 bis 85 Steinfreiheit lassen sich bei Steinen bis maximal 15 mm erreichen, so Tekgul. Dagegen sind größere und multiple Steine, Cystin- oder Harnleitersteine weniger geeignet für die ESWL. Auch wenn zugleich Harnwegsobstruktionen auftreten, ist die ESWL nicht gut geeignet.

Bei großen Steinen, nach Versagen einer ESWL sowie bei Steinen mit relevanter Hydronephrose plädierte Tekgul für die perkutane Nephrolithotomie, die allerdings mit einem -wenn auch niedrigen - Komplikationsrisiko einhergeht. Drei Viertel der jungen Patienten sind bereits nach einer, weitere 17 Prozent nach der zweiten Therapie-Sitzung steinfrei.

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