Ärzte Zeitung online, 15.05.2009

Kostenloser 3D-Nierenatlas für Ärzte und Nichtmediziner im Internet

BERLIN (dpa). Die Niere geht online: Ein dreidimensionaler "Nierenatlas" im Internet hilft Forschern und Ärzten von sofort an bei der Behandlung von Krankheiten. Die 3-D-Bilder der Niere können sowohl Experten als auch Laien kostenlos betrachten und nutzen. Der Atlas ist in englischer Sprache abgefasst.

Der Atlas bündelt die neuesten Erkenntnisse über die Entwicklung des Organs sowie die Entstehung von Nierenkrankheiten. Die Niere sei damit das erste Organ, das mit dieser Fülle wissenschaftlicher Informationen im Internet präsentiert werde, sagte Professor Thomas Willnow, Forscher am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin.

"Der Atlas ist ein völlig neuer Ansatz, wie wir biomedizinische Forschung gestalten können", ergänzte Willnow. Bisher hätten die Forscher im Labor gesessen und an Einzelaspekten der Niere gearbeitet. "Aber wir haben es nicht zusammengebracht." Das soll der Atlas als virtuelles Sammelwerk ändern. Auch Stoffwechselkrankheiten, die zu Nierenproblemen führen, sollen auf diese Weise besser erforscht werden. Dazu gehört zum Beispiel die Volkskrankheit Diabetes.

Viereinhalb Jahre lang haben 18 Forschungseinrichtungen in Europa an Animationen und Texten gearbeitet. Dafür wurden auch viele der 30 000 Gene im menschlichen Erbgut gescannt und auf Funktionen in der Niere geprüft. Wie in einem üblichen Atlas mit Landkarten könnten sich Nutzer in der virtuellen Nierenwelt nun Positionen suchen und sich orientieren, berichtete Willnow. "Man kann sich in das Organ zoomen und Funktionen anklicken."

Die Sprache im Nierenatlas ist Englisch. Für Laien gibt es jedoch auch Videoclips mit deutschem Text.

Allein in Europa gibt es nach MDC-Angaben rund 4,5 Millionen Nierenkranke. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, die als Folge von Bluthochdruck oder Diabetes Nierenleiden bekommen. Es trifft aber auch Kinder, die oft schon mit einer Nierenschädigung zur Welt kommen. Chronische Nierenerkrankungen sind nach Angaben der Forscher eine der häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt. Etwa 20 Prozent der Patienten sterben daran.

Der Nierenatlas ist Teil des Forschungsprojekts "European Renal Genome Project", das die Europäische Union mit über 10 Millionen Euro gefördert hat. Dabei geht es jedoch allein um die erwachsene Niere. In einem weiteren Schritt sollen nun Nierenerkrankungen im Kindesalter für die Internet-Präsentation aufbereitet werden.

Der Atlas für Ärzte: www.euregene.org/portal/pages/

Der Atlas für Nichtmediziner: www.euregene.org/euregene/pages/kidney_tut_e.html

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