Ärzte Zeitung online, 02.06.2009

Pille für längeres Liebesspiel gibt es nicht zum Spaß

NEUSS(dpa). Mediziner haben vor dem Verkaufsstart der Männerpille "Priligy" Hoffnungen auf eine breite Anwendung für längeres Liebesspiel gedämpft.

"Wir verschreiben es nicht, um den Lifestyle zu verbessern", betonte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Andrologie (Männerkunde), Professor Hermann Behre, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das neue Medikament gegen vorzeitige Ejakulation sei rezeptpflichtig.

Das Medikament sollten nur Männer bekommen, bei denen durch vorzeitigen Samenerguss ein gewisser "Leidensdruck" bestehe. Eine Untersuchung und die Beratung durch einen Urologen seien Pflicht. Im Juni soll das Medikament des Unternehmens Janssen-Cilag auf den deutschen Markt kommen. Die Pille verzögert den Samenerguss, in dem sie Serotonin-Rezeptoren im Gehirn blockiert.

Etwa 20 Prozent der deutschen Männer leiden an einer sexuellen Fehlfunktion, die zur frühzeitigen Ejakulation führt. Bei ihnen kommt es entweder bereits vor dem Geschlechtsverkehr, oder innerhalb weniger Sekunden bis maximal eine Minute nach Beginn des Sexualakts zum Samenerguss. Durch den Serotonin-Hemmer "Priligy" kann dieser Zeitraum nach Angaben des Herstellers um das Drei- bis Vierfache verlängert werden.

Bisher wurden herkömmliche Serotonin-Hemmer in langfristigen Therapien gegen Depressionen genutzt, erklärte Behre. Die Verzögerung der Ejakulation war dabei nur eine Nebenwirkung. Neu sei, dass der Wirkstoff Dapoxetin jetzt gezielt und bei Bedarf gegen vorzeitige Ejakulation (Ejaculatio praecox) eingesetzt werden kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »