Ärzte Zeitung, 08.05.2013

Unfruchtbar oder nicht

Eine Spermaprobe genügt

Zweimal oder dreimal? Die WHO will es bei der Frage nach der Infertilität genau wissen und verlangt reichlich Ejakulat. US-Urologen haben diese Empfehlung jetzt revidiert - zumindest für manche junge Männer.

Von Peter Leiner

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Ein Spermiogramm wird ausgezählt, so lässt sich die Zeugungsfähigkeit beurteilen.

© Jan Woitas / dpa

SAN DIEGO. Wegen der intraindividuellen Variabilität wird gewöhnlich empfohlen, wenigstens zwei Spermaanalysen vorzunehmen.

Im "WHO-Laborhandbuch zur Untersuchung und Aufarbeitung des menschlichen Ejakulats" von 2012 wird sogar die Analyse von "zwei oder drei Ejakulatproben" empfohlen, da es "unmöglich ist, die Qualität des Ejakulats eines Mannes anhand der Beurteilung einer einzigen Probe zu erfassen".

US-Urologen haben jetzt in einer Studie anhand statistischer Analysen gezeigt, dass in manchen Situationen unter bestimmten Voraussetzungen eine einzige Spermaanalyse ausreicht (J Urol 2013, online 19. Februar).

An der retrospektiven US-Studie nahmen insgesamt 79 junge Männer im Alter zwischen 18,8 und 24,7 Jahren teil. 31 Teilnehmer hatten eine Varikozele, 13 einen beidseitigen und 35 einen einseitigen Hodenhochstand.

Ziel der Studie war, anhand von zwei Proben die Verlässlichkeit und Reproduzierbarkeit der Spermaanalyse bei jungen Männern im Übergang zur Adoleszenz und mit einem Risiko für eine Subfertilität zu klären.

Wie bei Erwachsenen vermuteten die US-Ärzte auch in dieser Studiengruppe eine hohe Variabilität der Spermaanalyse. Untersucht wurden Spermavolumen und -dichte, Gesamtzahl und Beweglichkeit der Spermien. Auf der Basis dieser Werte wurde schließlich die Gesamtzahl beweglicher Spermien errechnet.

Für die Beurteilung eines Tests verwendeten die Ärzte den Variationskoeffizienten, und zwar bezogen auf die Analysen bei jeweils einem Patienten. Niedrige Werte (in Prozent) sind ideal und ein Hinweis auf die Reproduzierbarkeit des Ergebnisses.

Mehr Analysen, genaueres Ergebnis

Mit dem Wert lasse sich auch die Variabilität der einzelnen Parameter beurteilen, so die Ärzte. Die geringste Variabilität gab es in der Studie bei den Parametern Beweglichkeit und Spermavolumen (jeweils 36 Prozent), die Gesamtzahl der beweglichen Spermien hatte mit 82 Prozent den höchsten Wert.

Wie in früheren Studien war in der aktuellen Studie die Variabilität der Spermaanalysen zwischen den Patienten größer als zwischen den beiden Analysen jeweils eines Patienten.

Um zu beurteilen, wie genau ein Spermiogramm als Test ist, nutzten die Ärzte den Intraclass-Korrelationskoeffizienten (ICC). Dabei wird grob gesagt die Variabilität der Testergebnisse bei einem Patienten in Beziehung zur Variabilität bei allen Studienteilnehmern gesetzt.

Je näher der Wert an 1 liegt, umso geringer sind die Testunterschiede bei jeweils einem Patienten im Vergleich zu den Unterschieden zwischen den Studienteilnehmern. Die statistische Analyse ergab, dass die Spermienzahl mit einem ICC-Wert von 0,876 und die Spermiendichte mit einem Wert von 0,871 die verlässlichsten Parameter sind.

Je mehr Spermaanalysen bei einem Patienten gemacht werden, umso genauer wird das Testergebnis. Allerdings wird einer Studie aus dem Jahr 2007 zufolge eine statistische Signifikanz bei der Verlässlichkeit eines Spermiogramms erst nach wenigstens fünf Analysen erzielt.

Das heiße, derzeit werde sowieso bereits die Variabilität zwischen zwei Proben bei einem Patienten akzeptiert und dennoch eine Aussage zur Fertilität gewagt, so die Ärzte.

"Sind wir bereit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass wir bei der Verwendung nur eines einzigen Spermiogramms falsch liegen könnten?", fragen die Ärzte.

Sie sind überzeugt, dass die Zuverlässigkeit einer einzigen Analyse, vor allem mit dem Fokus auf der Gesamtzahl beweglicher Spermien, doch ausreicht, um zu einer klinischen Entscheidung zu kommen und um ausreichend zu beraten.

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