Urologie

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Ärzte Zeitung online, 06.02.2014

Hämaturie

Patienten werden oft nicht weiterverwiesen

Wie gründlich werden Hämaturien im hausärztlichen Bereich abgeklärt? Das haben US-Forscher herauszufinden versucht. Ihre Erkenntnis: Die Vorgaben der Leitlinien werden häufig nicht befolgt.

NASHVILLE. In einer retrospektiven Kohortenstudie orientierte sich ein Wissenschaftlerteam um David Friedlander von der Vanderbilt University School of Medicine in Nashville an den Vorgaben der American Urological Society (AUA) hinsichtlich der Art und Weise, wie eine Hämaturie abzuklären sei. Die AUA rät, Patienten ab einem Alter von 35 Jahren zur Zystoskopie zu schicken und bildgebende Verfahren im Bauch- und Beckenbereich einzusetzen.

Analysiert wurden die Daten von rund 6600 Hausarztpatienten im Alter von mindestens 40 Jahren, bei denen zwischen 2004 und 2012 erstmals eine Hämaturie diagnostiziert worden war. Sofern eine Infektion als Ursache erkennbar war, schieden die Patienten als Studienteilnehmer aus.

Übrig blieben schließlich 2455 Probanden. 13,7 Prozent von ihnen wurden binnen sechs Monaten nach der Hämaturiediagnose zystoskopiert, ähnlich viele, nämlich 13,9 Prozent, wurden zur radiologischen Abklärung überwiesen. Einer Zystoskopie plus Bildgebung unterzogen sich 5,7 Prozent aller Probanden.

Die weitere Abklärung erfolgte häufiger dann, wenn bekannte Risikofaktoren für ein Urothelkarzinom vorlagen, männliches Geschlecht etwa oder höheres Alter (Am J Med 2014; online 30. Januar).

Allerdings hing die Häufigkeit auch von der Gegend ab, in der die Patienten den Arzt aufsuchten. Dass dies einen Einfluss auf das Risiko hat, ein Urothelkarzinom zu entwickeln, ist nicht anzunehmen.

Friedlander und seine Kollegen nahmen die regionalen Unterschiede daher als Indikator, dass auch klinisch nicht relevante Faktoren die Entscheidung zur weiteren Abklärung einer Hämaturie beeinflussen.

Dass es durchaus sinnvoll ist, der Ursache einer Hämaturiediagnose auf den Grund zu gehen, zeigen die abschließenden Diagnosen. Bei insgesamt 2,7 Prozent der Patienten wurde ein Neoplasma festgestellt, rund die Hälfte der Diagnosen entfiel auf Blasenkrebs. Die Tumorquoten differierten je nach Intensität der Suche: Zystoskopie 12,8 Prozent, Bildgebung 12,0 Prozent, Zystoskopie plus Bildgebung 18,4 Prozent.

Häufigste Einzelursache war allerdings die Urolithiasis mit 4,6 Prozent. Eine ausreichende Erklärung für das Blut im Urin fand man bei 11,9 Prozent der Probanden.

"Eine vollständige Hämaturieabklärung findet selten statt", konstatieren Friedlander und Mitarbeiter. In puncto Qualitätssicherung sehen sie daher Luft nach oben, auch deshalb, weil augenscheinlich Einflüsse eine Rolle spielen, die mit dem Malignomrisiko nichts zu tun haben. (rb)

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