Forschung und Praxis, 14.02.2005

Bei Flaute im Schlafzimmer geben Medikamente wieder Auftrieb

Aber: Ohne erotischen Reiz keine Erektion

Die Erektile Dysfunktion ist kein Problem der Neuzeit. Erste Hinweise auf die Erkrankung finden sich bereits 300 Jahre vor Christus in Schriften von Aristoteles. Vor etwa 30 Jahren erkannte man die zentrale Rolle des Guanin-Monophosphats und der Phosphodiesterase bei der Entstehung einer Erektion. Von da aus war der Schritt nicht mehr allzu weit bis zur Einführung des ersten oralen Phosphodiesterasehemmers Sildenafil im Jahre 1998. Zwei weitere PDE-5-Hemmer, Tadalafil und Vardenafil, folgten relativ bald.

Eine weitere Therapieoption bei ED: Mit gezieltem Training des M. ischiocavernosus kann man(n) die arterielle Durchblutung des Penis verbessern und die Muskulatur stärken. Infos gibt es unter www.maennergesundheit.info, www.repotenz-zentrum.de Foto: sth

Männer und Erektionsstörungen - das ist nach wie vor ein heikles Thema. Auch in unserer aufgeklärten Zeit - sieben Jahre post Viagra® quasi - begegnet der Hausarzt immer noch täglich Männern mit ED in seiner Praxis, ohne es zu ahnen.

Denn in Deutschland hat mindestens einer von zehn Männern Potenzprobleme, doch nur jeder zehnte Betroffene geht deswegen zum Arzt. Verlegenheit, Schamgefühl und das Unwissen über die guten Therapiemöglichkeiten halten die Betroffenen ab, offen über das Thema zu sprechen.

Wenn überhaupt, wird das Thema versteckt angesprochen, indem auf Streß und Probleme in der Partnerschaft oder auf eine schlechte Blutzirkulation hingewiesen wird. Hier lohnt es sich, nachzuhaken und die Patienten gezielt anzusprechen. Vor allem bei Patienten mit einer Grunderkrankung mit hoher ED-Wahrscheinlichkeit wie Diabetes mellitus, Hypertonie, BPH oder Depression sollte regelmäßig nachgefragt werden.

Erfolgsrate mit PDE-5-Hemmern liegt bei etwa 80 Prozent

Bei etwa 80 Prozent der ED-Patienten kann mit Phosphodiesterasehemmern (PDE-5-Hemmer) eine ausreichende Erektion erzielt werden. Aber auch hier gilt: Von nichts kommt nichts, denn ohne erotischen Reiz entsteht auch mit diesen Medikamenten keine Erektion.

Reizsignale wie ein Duft, eine Berührung oder ein Bild sind nötig, um die Erektion in Gang zu setzen: Das parasympathische System wird aktiv, und in den glatten Muskelzellen wird vermehrt zyklisches Guanin-Monophosphat (cGMP) ausgeschüttet. Der Botenstoff bewirkt, daß sich die Muskelzellen, die die Schwellkörper des Penis umgeben, entspannen. Durch das jetzt einströmende Blut verhärtet sich der Penis.

An diesem Punkt kommt die Phosphodiesterase-5 ins Spiel: Sie sorgt normalerweise dafür, daß cGMP wieder abgebaut wird. Wird sie jedoch gehemmt, erhöht sich die Konzentration des cGMP, und die Erektion wird stärker.

Grundsätzlich sollten sich die Patienten im klaren darüber sein, wie flexibel sie ihr Sexualleben gestalten wollen, denn die PDE-5-Hemmer unterscheiden sich in ihrer Halbwertszeit, in ihrer Wirkdauer sowie in der Zeit, bis die Wirkung eintritt. Die Zeit (TMax), die bis zum Erreichen der maximalen Plasmakonzentrationen benötigt wird, schwankt je nach Patient und abhängig von Nahrungs- und Alkoholaufnahme stark.

Sie beträgt bei Sildenafil (Viagra®) zwischen 30 und 120 min, bei Tadalafil (Cialis®) zwischen 30 und 720 min und bei Vardenafil (Levitra®) zwischen 15 und 180 min (Der Urologe A, 43, 2004, 820). Am besten sollte der Patient alle drei Substanzen ausprobieren, damit er selbst entscheiden kann, mit welcher er am besten zurecht kommt.

Trotz des Booms der PDE-5-Hemmer sollte man aber nicht vergessen, daß es viele Betroffene gibt, bei denen die Mittel nicht wirken, oder bei denen sie ganz einfach kontraindiziert sind.

Einsatz einer Penisprothese als Ultima ratio

Therapiealternativen sind Medikamente wie Apomorphin sublingual (Uprima®), Yohimbin (etwa Yohimbin "Spiegel"®) und intrakavernöses Alprostadil (Caverject®, Viridal®). Apomorphin wirkt nicht lokal im Penis, sondern auf die sexuellen Schaltstellen im Gehirn. Die Wirkung setzt nach zehn bis 20 Minuten ein und hält bis zu zwei Stunden an.

Bei der intrakavernösen Injektionstherapie (SKAT) wird Alprostadil unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr in den Schwellkörper des Penis gespritzt. Als Alternative steht die Vakuumpumpe zur Verfügung, mit deren Hilfe Blut in den Penis gepumpt wird. Versagen die konservativen Therapiemaßnahmen, kann zur künstlichen Versteifung des Glieds operativ eine Penisprothese eingesetzt werden. Diese kann oft jahrelang verbleiben. (otc)

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