Ärzte Zeitung online, 20.10.2008

Schnarchen und Morgenerektion: Forscher enträtseln Geheimnis Schlaf

KASSEL (dpa). Jeder gesunde Mann kennt das Phänomen der Morgenerektion, und auch so manche Frau scheint morgens in einem erregten Zustand zu sein. Doch die Gründe sind nicht sexuell, sondern im Traum zu finden. Schlafforscher haben die Gründe enträtselt und einem Zusammenhang zwischen Schnarchen und Erektionsstörungen gefunden.

"Schlafapnoepatienten haben zu 70 Prozent auch eine erektile Dysfunktion", sagt Professor Martin Konermann, einer der Leiter der 16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, bei der am vergangenen Wochenende in Kassel 1500 Wissenschaftler aus der ganzen Welt auch über das Thema Schnarchen und Erektionsstörungen diskutierten.

"Bei beiden sind die gleichen Steuerungselemente in den Blutgefäßen die Ursache. Die Durchblutung sorgt zum einen für eine Erektion, zum anderen hält sie die Atemwege während des Schlafs frei. Funktioniert das nicht, schnarcht der Mensch und die Durchblutung von Penis oder Schamlippen bleibt aus", erklärt der Kasseler Professor.

Jeder gesunde Mann hat im Schlaf mehrere Erektionen

Jeder gesunde Mann hat im Schlaf mehrere Erektionen, manchmal eine Stunde lang. Frauen ergeht es ähnlich, doch das Phänomen ist nicht so bekannt. Die Erklärung liegt im Traum - mit dem Inhalt, ob sexuell oder nicht, hat es aber nichts zu tun: "Das ist einfach eine regelmäßige Durchblutung, die der Körper braucht. So wie ein Fahrzeug regelmäßige Bremsversuche braucht", erklärt Konermann. Nicht jeder sei jeden Tag sexuell aktiv. "Also reagiert der Körper, indem er selbst alle Funktionen überprüft." Erforscht wird das mit Messmanschetten am Penis. Selbst bei Säuglingen versteift sich das Glied, und auch bei Greisen, die zu einer sexuellen Erektion nicht mehr fähig sind.

"16 Prozent der Männer haben eine Dysfunktion. Die haben auch im Schlaf keine Erektion. Wenn doch, wissen wir, dass das Problem psychisch und nicht körperlich ist", sagt Konermann. Dann kann geholfen werden - mit Viagra®" In der groß angelegten Köln-Studie wurde festgestellt, dass sich das Problem bei Männern, denen man zur Nacht das Medikament gibt, nach einem Jahr erheblich bessert, wie Konermann sagte

Geforscht wird auch über den Sekundenschlaf

Doch die Schlafforscher untersuchen auch weniger delikate, wenn auch nicht weniger wichtige Probleme - etwa den Sekundenschlaf, der im Auto oder am Arbeitsplatz tödlich sein kann. Die Ursachen sind auch hier Atemstörungen und Schnarchen. "Die Unfallrate ist dann siebenmal höher als bei anderen Menschen", sagt Winfried Randerath.

Der Solinger Professor sieht den Körper nachts unter Stress: "Man bekommt keine Luft, schnappt richtig, und der Körper schüttet Stresshormone aus - gerade die, die man für einen erholsamen Schlaf nicht braucht." Das könne sogar zu langfristigen Herz-Kreislauf- Erkrankungen führen.

Die Betroffenen würden mehrfach wach, allerdings ohne wirklich zu Bewusstsein zu kommen. "Wenn man dann am nächsten Tag stundenlang auf die Autobahn oder den Überwachungsmonitor im Atomkraftwerk starrt, ist der Sekundenschlaf kaum zu verhindern." Eine Hilfe gibt es aber doch: Eine Maske, die den Körper nachts mit Druckluft versorgt und so die Atemwege offen hält. "Nicht bequem, aber hilfreich", sagt Randerath. "Und außerdem ein Naturheilverfahren: Es ist ja nur Luft."

Selbst viele Kleinkinder haben schon Schlafstörungen

Selbst Kinder leiden schon unter Schlafstörungen. So haben 40 Prozent der Kleinkinder Ein- und Durchschlafstörungen, sagt Dr. Alfred Wiater. "Das geht zwar im Jugendalter zurück, da steigt das Problem der Tagesmüdigkeit aber auf ein Drittel aller Jugendlichen", sagt der Chefarzt der Kinderklinik Köln-Porz. Ein Grund seien Fernsehen und Computer. "Sie halten die Kinder vom Bett ab, und auch die Inhalte sind entscheidend. Das kann Alpträume verursachen."

Das sei mehr als nur ein Nebenproblem der Erziehung: "Die schulischen Leistungen sinken spürbar und der Körper merkt sich das ein Leben lang", sagt der Forscher. "Kinder, die Schlafstörungen haben, sind in der Jugend erheblich anfälliger für psychische Probleme."

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