Ärzte Zeitung, 22.04.2009

Erektile Dysfunktion - die Sprachlosigkeit aufbrechen!

Bekannte Begleiterkrankungen der erektilen Dysfunktion sind KHK und Diabetes. Aber auch Schlaf- und Miktionsstörungen gehen oft mit einer ED einher.

Von Angela Speth

Eine eindeutige Assoziation zwischen Schlafstörungen und ED belegt eine aktuelle Datenbanksuche, wie Privatdozent Herbert Sperling beim Uro Update in Düsseldorf berichtet hat. Als Bindeglied zwischen Schlafapnoe und ED wird eine neurologische Schädigung durch Hypoxie vermutet: Durch die sinkende Sauerstoffsättigung kommt es zu einer peripheren Polyneuropathie. Gestützt wird diese Hypothese durch Daten, wonach sich durch die Therapie mit Atemmaske die Erektionsfähigkeit bessert, in einer Studie um 33 Prozent.

Den Zusammenhang zwischen ED und Symptomen des unteren Harntrakts - überaktive Blase, schwacher Harnstrahl, Restharn und Nykturie - bestätigt eine US-Studie, die nach Angaben des Urologen aus Mönchengladbach durch die große Zahl der befragten Männer - nämlich 2300 - hervorsticht. Acht Prozent der 30- bis 39-Jährigen und 26 Prozent der 70- bis 79-Jährigen hatten moderate bis schwere BPH-Symptome. Die Prävalenz der ED betrug bei den Jüngeren 10 Prozent und bei den Älteren knapp 60 Prozent. Die Auswertung ergab eine starke Assoziation zwischen den beiden Faktoren Miktionsstörung und ED. Weiterhin sei an dieser Studie bemerkenswert, dass die ED vor allem den Komponenten nächtliches Wasserlassen, Inkontinenz und Prostatitis zugeordnet wird.

Nach einer taiwanesischen Studie zum selben Thema ist die ED um so ausgeprägter, je stärker die Miktionsstörungen sind. Sperling erinnerte daran, dass auch zwischen ED, BPH und Depression eine Assoziation erwiesen ist. Die höchste Prävalenz der Depression bestehe bei Männern, die gleichzeitig Symptome des unteren Harntrakts und ED haben.

Viele Möglichkeiten zur Behandlung der ED gingen dadurch verloren, dass die Probleme zwischen Arzt und Patient nicht angesprochen werden. So ergab eine französische Studie: Urologen unterschätzen, wie sehr sich die Patienten wünschen, dass ihre Probleme thematisiert und behandelt werden.

Dass die Patienten von sich selten die Sprache darauf bringen, geht aus einer britischen Studie hervor: Darin wurden 1500 Erwachsenen telefonisch mit strukturiertem Fragebogen zu sexuellen Problemen und ihrem Umgang damit interviewt. Mit rund 20 Prozent waren die häufigsten Störungen bei Männern Ejaculatio praecox und ED. Aber nur 26 Prozent derjenigen, die Störungen angaben, haben sich einem Arzt anvertraut. Die Wissenschaftler begründen diese Sprachlosigkeit damit, dass die Patienten ihre Schwierigkeiten entweder nicht für ernsthaft halten oder nicht über die Therapie Bescheid wissen.

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