Urologie

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Therapie des Testosteronmangels: Testosteronsubstitution – wann und wie?

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung online, 17.06.2009

Nach Prostatektomie reicht ED-Bedarfstherapie

Eine Dauertherapie mit PDE-5-Hemmern ist bei Potenzschwäche nach Prostata-Op offenbar überflüssig. Zumindest in einer Studie mit Vardenafil war die Bedarfstherapie ähnlich erfolgreich.

PDE-5-Hemmer erhöhen die sexuelle Zufriedenheit bei Patienten nach Prostatektomie.

Foto: Monkey Business©www.fotolia.de

MAILAND. In einer Studie (RESTORE) war nachgewiesen worden, dass eine Bedarfstherapie mit Vardenafil die erektile Dysfunktion (ED) ähnlich gut lindert wie die tägliche Einnahme. Teilnehmer der Studie waren 236 Patienten mit milder bis moderater ED und Komorbidität wie Hypertonie, Dyslipidämie und Diabetes, berichtete Privatdozent Herbert Sperling beim Uro Update in Düsseldorf.

Aber auch nach bilateraler nervschonender Prostatektomie könnte die Bedarfstherapie mit PDE-5-Hemmern zum Standard werden. Diesen Schluss ziehen die Autoren einer Studie mit 628 Patienten von 87 Zentren in Europa, Kanada, Südafrika und den USA. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass sie nach dem IIEF-Score (International Index of Erectile Function) zunächst eine normale Erektionsfähigkeit mit einem Wert von mindestens 26 hatten und bei denen eine bilaterale nervschonende Prostatektomie geplant war. Nach der Operation nahmen sie entweder Placebo, täglich Vardenafil 10 mg zur Nacht oder 5 bis 20 mg nach Bedarf (European Urology 54, 2008, 924).

Nach neun Monaten hatten 48 Prozent der Männer mit der Applikation nach Bedarf eine höchstens milde ED (IIEF-Score über 22). Bei regelmäßiger Einnahme traf das für 32 Prozent zu, aber mit Placebo nur für 25 Prozent. Nach dem Fragebogen SEP3 (Sexual Encounter Profile) hatten mit Vardenafil nach Bedarf 46 Prozent der Männer eine ausreichende Erektion für einen erfolgreichen Geschlechtsverkehr, im Vergleich zu 25 Prozent mit Placebo.

Wie die Autoren um Dr. Francesco Montorsi erläutern, wird die ED nach Prostatektomie dadurch verursacht, dass Nerven gedehnt oder gequetscht werden. Es kommt zu einer zeitweiligen Fehlfunktion, weniger NO wird freigesetzt, woraus eine dauernde Konstriktion der glatten Muskelzellen in den Blutgefäßen des Penis resultiert. Die Hypoxie begünstigt die Fibrose des Corpus cavernosum und damit langfristig eine ED. Der Theorie zufolge eignen sich PDE-5-Hemmer zur Vorbeugung einer solchen postoperativen ED, weil sie die Sauerstoffversorgung stimulieren. Dadurch wirken sie Apoptose und Fibrose entgegen.

Die Bedarfstherapie nach Prostatektomie hat sich in Studien bewährt.

Die Ergebnisse der italienischen Forscher werden durch die Studie REINVENT bestätigt: 445 Patienten mit ED erhielten nach einer nervschonenden radikalen Prostatektomie entweder neun Monate lang 10 mg Vardenafil bei Bedarf oder einmal täglich, oder sie erhielten Placebo. Auch hier gab es keinen Vorteil bei täglicher Einnahme von Vardenafil im Vergleich zur Einnahme bei Bedarf.

PDE-5-Hemmer eignen sich außerdem zur Behandlung bei ED, die als Folge der Behandlung bei Prostatakarzinom bereits besteht. Das hat eine Cochrane-Analyse ergeben, in die fünf Studien mit knapp tausend Teilnehmern im mittleren Alter von 60 bis 69 Jahren einbezogen waren. Darin waren die Präparate Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil geprüft worden, in drei Studien nach radikaler uni- oder bilateraler nervenschonender Prostatektomie, in zwei nach Radiotherapie (BJU International 102, 2008, 402).

Ergebnis: Bei zwei Drittel der Patienten hatte sich die erektile Funktion gebessert, etwa die Hälfte war zum Geschlechtsverkehr imstande, berichtete Sperling. Zusätzlich war die Zufriedenheit der Patienten, gemessen mit dem Erectile Dysfunction Inventory of Treatment Satisfactory Questionnaire, mit PDE-5-Hemmern höher als mit Placebo.

Die tägliche Applikation von Sildenafil in niedriger Dosierung hat sich ebenfalls zum Erhalt der erektilen Funktion nach nervschonender radikaler Prostatektomie bewährt, so Sperling: Das wurde in einer Studie mit 43 Patienten nachgewiesen, die täglich 25 mg Sildenafil erhielten. Nach einem Jahr war die Erektionsfähigkeit signifikant besser als bei Patienten mit Placebo. (ars)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »