Urologie

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Ärzte Zeitung, 13.06.2012

Prostatabiopsie: Stanze in die Männerpsyche

Lautet nach einer Stanzbiopsie der Prostata die Diagnose Karzinom, hat das womöglich Einfluss auf die Erektionsfähigkeit der Männer. Doch an der Stanze selbst muss es gar nicht liegen, glauben Forscher.

Prostatabiopsie: Stanze in die Männerpsyche

Prostatakrebszelle - vorher gestanzt, kann sich das auf die Erektionsfähigkeit auswirken.

© dpa

CHICAGO (rb). Erektionsstörungen, die nach einer Prostatabiopsie auftreten, haben womöglich psychische Ursachen.

Betroffen sind nämlich vornehmlich Männer, bei denen die Biopsie ein Karzinom zum Vorschein gebracht hat, wie US-Forscher nun berichtet haben.

Die Urologen von der Feinberg School of Medicine, Northwestern University in Chicago hatten die Erektionsfunktion von 85 Männern einen Monat vor und bis zu 48 Wochen nach einer Stanzbiopsie der Prostata mithilfe des International Index of Erectile Function (IIEF) untersucht (BJU Int 2012; online 28. Mai).

Die mögliche Punktzahl im IIEF reicht von 4 bis 75, wobei niedrigere Werte für eine schlechtere Funktion sprechen. Der mittlere Wert lag vor der Biopsie bei 57,8, nach der Stanze bei 54,3 - keine signifikante Differenz.

Wurden allerdings Männer, die eine Krebsdiagnose erhalten hatten, mit Probanden verglichen, die kein Karzinom aufwiesen, zeigte sich ein abweichendes Bild.

Bei den Karzinompatienten hatte der IIEF-Wert im Durchschnitt um 10,2 Punkte abgenommen, während er bei den anderen Männern praktisch gleich geblieben war (plus 1).

Psychologische Störgröße?

Ein Abfall der Scores zeigte sich in allen Bereichen des IIEF, von der sexuellen Zufriedenheit über die Häufigkeit des Verkehrs bis hin zur erektilen Funktion selbst.

Im Gegensatz dazu war kein Einfluss zu verzeichnen, was sonstige Beschwerden des unteren Harntraktes (LUTS) betraf.

"Es scheint, dass die Krebsdiagnose die erektile Funktion von Männern schwächt, die sich einer Prostatabiopsie unterzogen haben", schreiben die Chicagoer Urologen.

Möglicherweise handle es sich dabei um eine psychologische Störgröße, die das Erektionsvermögen schon vor der Therapie eines Prostatakarzinoms beeinflusse.

Ergebnisse früherer Studien hatten hingegen vermuten lassen, dass die Art der verwendeten Lokalanästhesie oder die Zahl der entnommenen Stanzen der erektilen Funktion schaden können.

Einen solchen allgemeinen Effekt der Biopsie konnten die Wissenschaftler aus Chicago nicht feststellen. In welchem Ausmaß sich die Psyche nach einer Krebsdiagnose tatsächlich auf die Erektionsfähigkeit auswirkt, bliebe aber erst noch in weiteren Studien zu klären.

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