Ärzte Zeitung, 16.06.2008

Auf Knopfdruck wird die Blase entleert

Implantierter Blasenschrittmacher eignet sich besonders bei Dranginkontinenz / Erfolgsrate beträgt 65 Prozent

HAMBURG (grue). Ein implantierter Blasenschrittmacher kann die Ultima ratio sein bei Patienten mit imperativem Harndrang oder sonst nicht zu behandelnder Dranginkontinenz: Wird der elektrische Impulsgeber ausgeschaltet, entspannt sich der Beckenboden und die Blase entleert sich.

Damit können Patienten mit Inkontinenz ihre Blasenfunktion wieder selbst kontrollieren und erlangen ein großes Stück Lebensqualität zurück, sagt Professor Burkhard von Heyden von den SLK-Kliniken in Heilbronn. Der Urologe hat die so genannte sakrale Neuromodulation bisher 25 mal angewendet, vorwiegend bei Patienten mit Dranginkontinenz. Die Erfolgsrate betrug 65 Prozent und entsprach damit den Ergebnissen aus Studien. Da alle Patienten langjährig inkontinent und mehrfach vorbehandelt waren, sei die Wirksamkeit der Neuromodulation beachtlich, so von Heyden. "Ein Versuch lohnt sich allemal und lässt sich als Probestimulation auch kostengünstig vornehmen".

Eine mehrtägige Testphase ist bei der Technik der sakralen Neuromodulation ohnehin vorgesehen, um den Erfolg der Behandlung vor der Implantation des Impulsgebers beurteilen zu können. Dafür werden die in der Sakralwurzel bei S3 implantierten Elektroden zunächst mit einem externen Modulator verbunden. Danach lässt sich die Wirkung der permanenten Stimulation auf die Inkontinenz mit Hilfe eine Blasentagebuches minutiös erfassen. Die elek-trischen Rechteckimpulse am Sakralnerven unterbinden die Reflexentleerung der Blase und überlagern zudem das Schmerz- und Drangempfinden, erläuterte von Heyden. Patienten, bei denen dies gut funktioniert, erhalten den Impulsgeber als dauerhaftes Implantat mit einer Batterielebensdauer von mehr als zehn Jahren. Bedient wird das Gerät über einen kleinen Sender. Mit etwa 400 Implantationen in Deutschland (weltweit 22 000) zählt die Neuromodulation zu den anerkannten Verfahren bei therapierefraktären Blasenentleerungsstörungen. Sie wird ausschließlich von Inkontinenz-Zentren angeboten. Die Kosten werden von den Kassen übernommen.

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