Ärzte Zeitung, 04.03.2009

Zwei Liter trinken täglich reicht im Alter

Große Flüssigkeitszufuhr kann überaktive Blase begünstigen / Miktionstagebuch für Diagnostik und Therapie

DÜSSELDORF (ars). Alte Menschen bekommen immer wieder den Rat, möglichst viel zu trinken. Doch durch Alterungsprozesse auch des Harntrakts sind sie anfällig dafür, bei großer Flüssigkeitszufuhr Symptome einer überaktiven Blase zu bekommen.

Zwei Liter trinken täglich reicht im Alter

Viel trinken wird gerade alten Menschen empfohlen, die ja oft kaum Durst haben. Übertreiben sollten sie aber nicht.

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Offensichtlich wurde das bei einer 69-jährigen Patientin, die wegen häufigen Harndrangs und Inkontinenzepisoden einen Arzt konsultierte. Ihre Krankengeschichte hat Universitätsdozent Stephan Madersbacher beim Uro Update in Düsseldorf vorgestellt. Als erster Schritt wurde vereinbart, dass sie ein Miktionstagebuch führte. Bei der Auswertung des Protokolls stellte sich heraus, dass sie täglich mehr als drei Liter trank. Sie erhielt die Empfehlung, weniger Flüssigkeit zu sich zu nehmen, woraufhin sich die Symptome deutlich besserten.

Eine Trinkmenge von 1,5 bis 2 Liter pro Tag sei für die meisten alten Menschen ausreichend, sagte Madersbacher: "Durch größere Mengen ist die Blase im höheren Alter leicht überfordert." Macht vor allem die Nykturie Probleme - die Patienten wachen nachts mehr als zweimal durch Harndrang auf und müssen die Blase entleeren - sollten sie gerade abends nichts mehr trinken. Auch die Umstellung einer Medikation, etwa bei Verordnung von Diuretika, sei in Betracht zu ziehen.

Der Urologe aus Wien erinnerte daran, dass ein Miktionstagebuch nicht nur wichtig sei für die Diagnose, sondern auch für die Behandlung, weil es sich als Grundlage zur Verhaltenstherapie eignet: Beim Miktionstraining werden zu kurze Miktionsintervalle verlängert, beim Toilettentraining wird der Entleerungsrhythmus an die individuelle Blasenkapazität angepasst, um einem unwillkürlichen Harnabgang zuvorzukommen.

Sind bei älteren Menschen mit überaktiver Blase Anticholinergika angezeigt, seien unerwünschte Wirkungen aufs ZNS wie Verwirrtheit zu beachten, sagte Madersbacher. Deshalb rate er, bei ihnen Wirkstoffe wie Trospium und Darifenacin zu bevorzugen. Trospium sei primär nicht liquorgängig, Darifenacin beeinträchtigt einer Studie zufolge das Kurzzeitgedächtnis nicht.

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