Ärzte Zeitung online, 21.02.2013

Hartnäckiges Einnässen

War es eine Spina bifida occulta?

Eine Spina bifida occulta beeinflusst den Erfolg einer Arzneitherapie bei Kindern mit nächtlichem Einnässen.

War es eine Spina bifida occulta?

Noch scheint das Bett trocken.

© Alex Vasilev / fotolia.com

SEOUL. Der Erfolg einer pharmakologischen Therapie bei Kindern mit nächtlichem Einnässen wird offenbar durch eine Spina bifida occulta beeinflusst.

So ist einer südkoreanischen Studie zufolge bei den betroffenen Kindern kaum mit einem kompletten Ansprechen auf die Arzneitherapie zu rechnen. Fast zwei Drittel der Kinder in der Studie sprachen gar nicht auf die Behandlung an.

Die Spina bifida occulta, also der unvollständige Verschluss des Neuralrohrs im Lumbosakralbereich der Wirbelsäule, wurde bereits in den 1980er-Jahren in Zusammenhang mit Funktionsstörungen der unteren Harnwege und mit Enuresis gebracht.

Die Entwicklungsstörung betrifft meist die Regionen L5 und S1. Urologen aus Seoul haben den Effekt einer pharmakologischen Enuresistherapie in ihrer Studie bei 160 Kindern (53 Mädchen) im Alter zwischen fünf und 18 Jahren (im Mittel 7,8 Jahren) mit nächtlichem Einnässen geprüft.

Bei insgesamt 43 Kindern (26,9 Prozent) wurde eine Spina bifida occulta diagnostiziert: bei vier Kindern mit der Entwicklungsstörung in der Region L4, bei zwölf Kindern in der Region L5, bei 26 Kindern in der Region S1 und bei einem Kind in der Region S2.

Die Arzneitherapie wurde je nach Art der Enuresis gewählt, also ob mit oder ohne Symptome einer Blasendysfunktion am Tag. Die 127 Kinder mit monosymptomatischer Enuresis (MNE) erhielten zunächst vier Wochen lang täglich 0,2 Milligramm Desmopressin, das bei Nichtansprechen auf 0,4 mg erhöht wurde (Urology 2013; online 8. Januar).

Die 33 Kinder mit nicht monosymptomatischer Enuresis (NMNE) bekamen zunächst vier Wochen lang 0,2 mg Desmopressin plus zehn bis 20 mg Propiverin täglich.

Therapie entsprechend anpassen

Bei Nichtansprechen wurde Desmopressin auf 0,4 mg erhöht und die Propiverindosis beibehalten. Die Kinder wurden einen Monat bis 51 Monate lang therapiert (im Mittel 8,7 ± 9,29 Monate).

Die Beurteilung des Therapieerfolgs richteten die Urologen an der ICCS-Klassifikation (International Children´s Continence Society) aus. In der Gesamtgruppe der 160 Kinder lag die Rate des kompletten Ansprechens bei 36,3 Prozent (58 Kinder): Die Enuresis war verschwunden oder trat höchstens einen Monat lang auf.

Bei 28 Kindern (17,5 Prozent) wurde der Therapieerfolg als Ansprechen bewertet, also eine mindestens 90-prozentige Verringerung der Frequenz des nächtlichen Einnässens. Ein partielles Ansprechen wurde bei 40 Kindern (25 Prozent) erzielt (50- bis 90-prozentige Frequenzreduktion) erzielt. 34 Kinder (21,3 Prozent) sprachen gar nicht auf die Arzneitherapie an.

Die Wahrscheinlichkeit für ein komplettes Ansprechen auf die Therapie war in der Gruppe der Kinder ohne Spina bifida occulta signifikant höher als bei Kindern ohne die Entwicklungsstörung. Das traf sowohl für Kinder mit MNE als auch für Kinder mit NMNE zu.

So wurde zum Beispiel in der NMNE-Gruppe bei Kindern ohne Spina bifida occulta bei vier Behandelten (18,2 Prozent) ein komplettes Ansprechen erzielt, dagegen bei keinem einzigen Kind mit der Entwicklungsstörung.

Insgesamt sei ein komplettes Ansprechen auf die Arzneitherapie bei Kindern mit Spina bifida occulta in der Studie selten gewesen, weshalb es sinnvoll sei, so die Urologen, bei Kindern mit Enuresis die Entwicklungsstörung zunächst abzuklären, um die Therapie entsprechend anpassen zu können.

Unklar bleibt, weshalb der Defekt das Therapieergebnis überhaupt beeinflusst. (ple)

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