Ärzte Zeitung, 27.04.2015

Gynäkologie

Inkontinenz nach Entbindung meist dauerhaft

Viele Frauen haben nach der Entbindung mit Harninkontinenz zu kämpfen. Wie lange diese Beschwerden andauern, haben Forscher nun anhand von Zwölf-Jahres-Daten unter die Lupe genommen.

Von Robert Bublak

BIRMINGHAM. Das Inkontinenzrisiko nach Geburten hat ein britisch-neuseeländisches Team um Professor Christine MacArthur von der University of Birmingham bei knapp 8000 Müttern untersucht (BJOG 2015, online 2. April).

Drei Monate sowie sechs und zwölf Jahre nach Entbindung waren die Frauen nach Symptomen einer Harninkontinenz gefragt worden. Nach zwölf Jahren nahm noch etwa jede zweite Mutter teil.

Insgesamt hatten nach zwölf Jahren 53 Prozent der Frauen eine Harninkontinenz. Bei 38 Prozent ergab sich eine persistierende Inkontinenz, das heißt, die Frauen waren schon bei mindestens einer der vorangegangenen Befragungen inkontinent gewesen.

In 54 Prozent dieser Fälle handelte es sich um eine Stressinkontinenz, in 33 Prozent um eine Mischung aus Stress- und Dranginkontinenz. Eine reine Dranginkontinenz gaben knapp zehn Prozent der Frauen an.

Mehr Geburten, mehr Inkontinenz

Die Rate an persistierender Inkontinenz stieg mit der Zahl der Geburten: von 32 Prozent bei Mütter mit einem Kind auf 42 Prozent bei Müttern von vier oder mehr Kindern.

Schwierigkeiten mit der Kontinenz, die bereits drei Monate nach der Geburt bestanden hatten, blieben meist erhalten: 76 Prozent der Frauen, die zum frühen Termin an Inkontinenz gelitten hatten, taten dies auch noch nach zwölf Jahren.

Die Inkontinenzsymptome beeinträchtigten die Lebensqualität der Betroffenen erheblich, nur 5,5 Prozent gaben an, keinen Einschränkungen im täglichen Leben zu haben.

Knapp 38 Prozent hatten einen Einschränkungsgrad auf einer aufsteigenden Skala von 0 bis 10 von 5 oder größer.

Von den 204 Frauen, die täglich Inkontinenzprobleme hatten, berichteten nur 18 von einer entsprechenden Behandlung: Sechs hatten eine medikamentöse Therapie und sechs dazu noch eine Physiotherapie erhalten, weitere sechs waren operiert worden.

Reduziert war das Inkontinenzrisiko bei Frauen mit Kaiserschnitt-Geburten - aber nur, wenn sie alle ihre Kinder auf diese Weise entbunden hatten (Odds Ratio 0,42). Hatte es daneben auch noch Geburten per vias naturales gegeben, fiel der Schutzeffekt fort.

Ohnehin bewahrte die Sectio nur vor Stress- und Mischinkontinenz, nicht aber vor Dranginkontinenz. Weitere Risikofaktoren für persistierende Harninkontinenz waren ein höheres Alter bei der ersten Geburt, eine höhere Zahl von Geburten und Übergewicht.

Großer Schwund bei Teilnehmern

MacArthur und ihre Kollegen weisen darauf hin, dass nach den vorliegenden Studienergebnissen die Sectio einerseits vor persistierender Harninkontinenz schützen könne.

Doch andererseits sei dieser Schutz nur partiell und müsse zudem gegen mögliche Nebeneffekte wiederholter Kaiserschnitte abgewogen werden.

Die Forscher räumen eine Einschränkung der Studie ein: Nach zwölf Jahren hatten nur noch rund die Hälfte der Frauen auf die Fragen geantwortet. Der Schwund sei zwar vor allem auf Umzüge und Adresswechsel zurückzuführen - "von denen nicht bekannt ist, dass sie mit Inkontinenz oder der Entbindungsmethode zusammenhängen würden".

Dennoch könnte das Studienergebnis verfälscht sein, weil Frauen mit Inkontinenz-Problemen eher geneigt seien, Fragen nach Inkontinenzsymptomen zu beantworten, so die Forscher.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »