Ärzte Zeitung, 18.12.2007

KOMMENTAR

Mobile Dialyse - noch keine Option

Von Angela Speth

Auf dem Foto in der Lancet-Publikation sieht sie richtig flott aus - fast so als würde sie tanzen: die Patientin mit dem Dialysegerät im Hüftgürtel. Gewiss, beweglich ist sie, doch tanzen mit fünf Kilo Ballast um den Bauch? Mit fünf Kilo, die sie für mindestens acht Stunden für alle Augen gut sichtbar mit sich herumschleppt?

Denn solch lange Tragezeiten müssen die Patienten auf sich nehmen, weil die Effektivität der mobilen Dialyse gering ist. Gering sein muss, damit die außer der Entgiftung notwendige Entwässerung möglichst keinen Blutdruckabfall auslöst. Um dieser Gefahr vorzubeugen, war der Blutfluss bei dem tragbaren Gerät um das Fünffache langsamer eingestellt als bei der konventionellen Dialyse: knapp 60 ml / h statt 300. Der Dialysatfluss war um das Zehnfache niedriger: knapp 50 ml / h statt 500.

Zu diesem geringen Wirkungsgrad muss aber ein Ausgleich her. Und das geht bloß über eine Verlängerung: Nur mit mehr als acht Stunden lässt sich bei Harnstoff- und Kreatinin-Clearance ein ähnliches Ergebnis erzielen wie mit vier Sunden im Sessel oder im Bett neben einem fest installierten Gerät. Außerdem ist sowieso die Frage, ob die Patienten dort wegen der möglichen Hypotension nicht besser aufgehoben sind.

Ist das Gerät also eine interessante Option für die Zukunft, falls die Techniker die Mängel in den Griff kriegen? Interessant auf jeden Fall, aber eben höchstens als Alternative zum herkömmlichen Verfahren, wohl kaum als Ersatz.

Lesen Sie dazu auch:
Mobile Dialyse: machbar, aber unausgereift

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