Ärzte Zeitung, 17.12.2007

Mobile Dialyse: machbar, aber unausgereift

Britische Forscher prüfen in einer Pilotstudie erstmals ein tragbares Dialysegerät

LONDON (ars). Bei der Dialyse nicht mehr an einen Ort gebunden zu sein, sondern herumzulaufen und das Gerät mit sich zu tragen - diese Möglichkeit ist nicht mehr ausgeschlossen. In einer britischen Pilotstudie erwies sich ein solches Verfahren trotz Mängeln als wirksam und sicher.

Fünf Männer und drei Frauen im Endstadium des Nierenversagens testeten das in Deutschland noch nicht geprüfte Gerät des Unternehmens Xcorporeal Inc. (Lancet 370, 2007, 2005). Der Versuch war auf zunächst vier Stunden angelegt. Nachdem keine schweren Komplikationen aufgetreten waren, verlängerte Dr. Andrew Davenport auf acht Stunden.

Die Patienten führten die insgesamt fünf Kilo schweren Geräteteile in einem breiten Hüftgürtel mit sich. Der erste Abschnitt enthält Schläuche und Pumpen für das Blut sowie Kammern und Infusoren für Elektrolyte und unfraktioniertes Heparin zur Antikoagulation. Die Dialyse selbst geschieht über eine High-Flux-Membran. Im zweiten Abschnitt wird das Dialysat über drei Behälter regeneriert und Natriumbikarbonat zugegeben. Außerdem gibt es Sensoren, die auf Blasenbildung, Unterdruck, Lecks und Blutgerinnsel reagieren.

Das Blut strömte, angetrieben von einer 9-Volt-Batterie, mit einer Geschwindigkeit von 59 ml / min, das Dialysat mit 47 ml / min. Die Plasma-Clearance-Rate von Harnstoff betrug durchschnittlich 23 ml / min und von Kreatinin 21 ml / min.

Während der Dialyse blieben Blutdruck, Pulsrate und Herzrhythmus stabil, wie die Wissenschaftler aus London berichten. Dasselbe galt für Serum-Elektrolyte, pH-Wert und Marker der Hämolyse. Allerdings störten immer wieder Kohlendioxid-Blasen, die bei der Zersetzung von Harnstoff entstehen, den Dialysatfluss. Bei zwei Patienten bildeten sich Blutgerinnsel in den Zugängen, woraufhin sie die Behandlung abbrachen. Bei einem Patienten kam es zu einer Abkopplung vom Gerät, als sich eine Nadel löste. Bei allen Zwischenfällen jedoch schalteten Sicherheitsmechanismen die Blutpumpe ab, so dass gravierende Folgen ausblieben.

STICHWORT

Dialyse

In Deutschland brauchen etwa 65 000 Menschen im Endstadium einer Niereninsuffizienz eine Dialyse. Diese Zahl steigt pro Jahr um fünf Prozent. 40 Prozent der Patienten sind wegen einer diabetischen Nephropathie dialysepflichtig. Das häufigste Verfahren ist die Hämodialyse; nur fünf Prozent der Patienten machen eine Peritonealdialyse, die die Patienten gewöhnlich zu Hause selbst vornehmen. Die Hämodialyse erfolgt fast immer in einem Zentrum. (ars)

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