Ärzte Zeitung, 24.04.2008

Niere schwach? Wenig Salz und Eiweiß!

Auch etwas Sport nützt bei chronischer Niereninsuffizienz / Moderate Reduktion der Proteinaufnahme empfohlen

WIESBADEN (grue). Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz sollten mit Kochsalz sparsam umgehen, ausreichend trinken und etwas Sport treiben. Mit diesen einfachen Verhaltensregeln lässt sich viel für den Erhalt der Organfunktion tun. Vorteile hat offenbar auch eine auf 0,6 g/kg Körpergewicht beschränkte Eiweißzufuhr.

Dialyse-Vorbereitung. Wenig Eiweiß und Salz bei chronischer Niereninsuffizienz könnte die Dialysepflicht verzögern.

Foto: Klaro

Zwar wurde mit einer Niedrig-Protein-Diät in einer kontrollierten Studie aus dem Jahr 1994 die Progression einer Niereninsuffizienz nicht gebremst. Allerdings betrug die Beobachtungsdauer nur drei Jahre. Außerdem waren unter den Studienteilnehmern nur wenige Patienten mit diabetischer Nephropathie, die von einer Proteinrestriktion vermutlich am ehesten profitieren würden.

Eine auf 0,6 g/kg Körpergewicht verminderte tägliche Einweißaufnahme hält Professor Christian Hugo von der Universität Nürnberg-Erlangen deshalb für sinnvoll und sicher. Dies auch vor dem Hintergrund, dass in einer Meta-Analyse von acht Studien durch eine moderate Einschränkung der Eiweißzufuhr die Dialysepflicht bei nierenkranken Patienten verzögert wurde, sagte Hugo beim Internisten-Kongress in Wiesbaden. Patienten mit katabolem Stoffwechsel, nephrotischem Syndrom und fortgeschrittener Nierenerkrankung im Stadium 4 sollten jedoch nicht am Eiweiß sparen, so Hugo.

Empfohlen ist eine Salzzufuhr von weniger als 6 g am Tag

Generell empfehlenswert sei eine Kost mit viel Gemüse, Früchten und fettarmen Milchprodukten. Die Salzzufuhr sollte 6 g pro Tag nicht übersteigen, damit eine gute Blutdruckeinstellung gelingt.

Auch bei der Trinkmenge bestehen Unsicherheiten: Soll die Niere "gut gespült" werden, oder wird dadurch nur unnötig viel Wasser eingelagert? Tatsächlich gebe es keine Untersuchung zum Nutzen einer erhöhten Trinkmenge, sagte Hugo. Im Gegenteil: Eine hohe Flüssigkeitszufuhr wird bereits bei mittelschwerer Nierenfunktionsstörung zu einem kardialen Risiko. Die Patienten sollten deshalb ausreichend, aber nicht übermäßig viel trinken, empfahl der Nephrologe. Eine Austrocknung sollte allemal vermieden werden, um die Niere nicht zusätzlich zu schädigen.

Auf Alkohol müssen nierenkranke Patienten offenbar nicht verzichten, wie eine epidemiologische Studie aus China vermuten lässt. Darin wurden die Krankheitsdaten von über 65 000 Männern über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgewertet. Das Risiko für schwere Niereninsuffizienz und Dialyse war bei abstinent lebenden Männern doppelt so groß wie bei solchen, die regelmäßig Alkohol tranken. Diese weiter nicht kommentierten Daten lassen allerdings kaum Rückschlüsse darauf zu, welche Alkoholmenge akzeptabel ist.

Der Mangel an Sport ist ein Risikofaktor sowohl für die Entwicklung als auch für das Fortschreiten einer Nierenerkrankung.

Dialyse-Patienten profitieren von Muskelaufbautraining

So hatten in einer retrospektiven Studie körperlich fitte Dialyse-Patienten ein geringeres Sterberisiko, weshalb US-Therapie-Leitlinien bei terminaler Niereninsuffizienz ausdrücklich Maßnahmen empfehlen, die die körperliche Aktivität steigern. In einer Studie konnte durch dreimonatiges intensives Muskelaufbautraining die Lebensqualität von Dialyse-Patienten deutlich verbessert werden, sagte Hugo. Außerdem wurde durch das Training wieder Muskelmasse aufgebaut und die Serum-Spiegel von Entzündungsmarkern gingen zurück.

STICHWORT

Stadien der Niereninsuffizienz

Eine chronische Niereninsuffizienz wird nach Schweregraden in vier Stadien eingeteilt. Der entscheidende Parameter für die Beurteilung ist dabei die glomeruläre Filtrationsrate (GFR). Der Normalwert der GFR für Kreatinin liegt bei 95 bis 110 ml pro Minute.

Die GFR kann online berechnet werden (www.nephron.com).

Stadium 1: Die GFR liegt noch über 90 ml / Minute

Stadium 2: GFR von 60 bis 89

Stadium 3: GFR von 30 bis 59

Stadium 4: GFR von 15 bis 29

Mehr Infos im Internet unter www.nierengesellschaft.de

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