Ärzte Zeitung online, 21.11.2008

Einnahme von Vitamin D verlängert das Überleben bei Dialyse-Patienten

MANNHEIM (dpa). Die tägliche Einnahme von Vitamin D verbessert nach Angaben von Nieren-Experten den Zustand von Dialysepatienten deutlich. "Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen der Gabe von aktivem Vitamin D und einem Absinken der Sterberate", sagte der Nephrologe Professor Helmut Reichel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

30 000 bis 40 000 Patienten seien über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren beobachtet worden. Dabei sei ein lebensverlängernder Einfluss festgestellt worden. "Auch Betroffene, die bereits zur Dialyse müssen, erfahren eine deutliche Reduktion von medizinischen Komplikationen", sagte Reichel anlässlich des Nephrologischen Jahresgesprächs in Mannheim.

Zu der Fachtagung (21. bis 23. November) erwartet der Verband Deutsche Nierenzentren rund 300 Fachärzte aus ganz Deutschland. Der Einsatz von Vitamin D bei der Therapie wird dabei ein Thema sein.

Laut Tagungsleiter Reichel wird aktives Vitamin D bereits seit den 80er Jahren als Medikament bei der Behandlung von Nierenerkrankungen eingesetzt. "Auf Grundlage der gesammelten Erfahrungen ist der Personenkreis erweitert worden", schilderte er. Dabei sei deutlich geworden, dass das Medikament nicht nur im Anfangsstadium der Erkrankung hilfreich sei. "Auch chronisch Kranken, die das Vitamin D bekamen, ging es besser, als denen, die es nicht bekamen."

Etwa 65 000 Menschen müssen in Deutschland wegen einer chronischen Niereninsuffizienz zur Blutwäsche (Dialyse). Etwa 20 000 bis 25 000 Erkrankte haben laut Reichel eine Nierentransplantation hinter sich. Darüber, wie viele Menschen in Deutschland ein chronisches Nierenleiden haben, gibt es nach Angaben des Experten kaum verlässliche Daten. "Es ist aber von mehreren hunderttausend bis zu einigen Millionen auszugehen", sagte er. So habe seit Mitte der 90er Jahre die Anzahl der Erkrankungen deutlich zugenommen. "Die Zahl der chronischen Dialyse-Patienten stieg seit damals um etwa 20 000." In den vergangenen Jahren sei das Wachstum nicht mehr so extrem.

Angesichts des steigenden Altersdurchschnitts der Bevölkerung steige die Gefahr einer Nierenerkrankung als Folge von Diabetes oder Bluthochdruck. "Eine große Herausforderung ist daher, die Prävention weiter zu verbessern", betonte Reichel. "Wir müssen Strukturen schaffen, in denen dies noch besser möglich ist als bislang." Zugleich müsse die in Deutschland gute Qualität der Behandlung gesichert werden. "Eine weitere Herausforderung ist, die Warteliste für die Nierentransplantationen zu verkleinern", sagte der Mediziner. Derzeit warteten bundesweit etwa 9000 Menschen auf eine Niere.

Gespräch: Marion van der Kraats, dpa (Internet: www.dnev.de/index.php?article_id=136) dpa vk yyswb w4 tim

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