Ärzte Zeitung online, 06.01.2009

Ein Hochleistungsverfahren bietet Dialyse-Patienten viele Vorteile

MONTREAL (ars). Kanadische Nephrologen melden klare Vorteile für ein neues Verfahren der extrakorporalen Blutreinigung: die Hochleistungs-Hämodiafiltration.

Dialyse-Behandlung mit dem neuen System 5008 von Fresenius Medical Care. Der Touchscreen-Monitor zeigt wichtige Behandlungsdaten und die Dialysezeit an.

Foto: Fresenius

Die Methode sei für Patienten mit terminalem Nierenversagen besser verträglich als die herkömmliche Hämodialyse, auch benötigten sie weniger Medikamente. Zudem würden Urämietoxine besser entfernt, die Zahl der Krankenhaustage gehe zurück, und die chronische Entzündung werde abgeschwächt. Damit sei für Nordamerika ein Durchbruch erreicht, berichtet Dr. Renée Levesque in einer Mitteilung des Centre Hospitalier de l'Université de Montreal. Sie und ihre Kollegen haben sich zum Ziel gesetzt, bald alle Dialyse-Patienten damit zu behandeln.

Das neue Verfahren wird derzeit in der CONTRAST*-Studie mit der konventionellen Hämodialyse verglichen. Studienparameter sind die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Geplant ist, 700 Patienten mit chronischem Nierenversagen aufzunehmen und über drei Jahre medizinisch zu beobachten. Die Klinik in Montreal beteiligt sich als einziges Zentrum in Nordamerika daran.

Die Hämodiafiltration kombiniert zwei lange bekannte Verfahren, die Hämofiltration und die Hämodialyse.

Bei der Hämodialyse werden niedermolekulare Substanzen wie Harnstoff oder Kreatinin durch Diffusion entfernt. Als Ausgleich eines Konzentrationsunterschieds strömen kleine Moleküle aus dem Blut in eine Flüssigkeit geringer Dichte. Dazu zirkuliert das Blut in einer künstlichen Niere auf der einen Seite einer semipermeablen Membran und die Dialyseflüssigkeit auf der anderen.

Bei der Hämofiltration wird praktisch der Wasseranteil des Blutes ausgetauscht und zwar ausschließlich durch Konvektion. Zusammen mit der Flüssigkeit strömen vor allem größere Moleküle durch die Poren von Membranen. Dazu wird das Blut unter großem Druck durch Filter gepresst, was ein Ultrafiltrat aus Wasser und Elektrolyten erzeugt - etwa zehn Liter in 4 bis 5 Stunden. Zum Volumenausgleich wird mit einer sterilen Lösung aufgefüllt. Neue Geräte, die erst seit kurzem verfügbar sind, ermöglichen eine Hochleistungs-Hämodiafiltration mit einer Flussrate von 120ml/min statt bisher 30 ml/min. Sie stellen die Lösungen zum Ausgleich der entzogenen Flüssigkeit automatisch ("online") bereit und sind ausgestattet mit hochpermeablen, biokompatiblen High-Flux-Dialysemembranen.

Lesen Sie dazu auch den Gastkommentar von Dr. Michael Nebel

*DOPPS: Dialysis Outcomes and Practice Patterns Study, CONTRAST: Dutch CONvective TRAnsport STudy

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Gastkommentar: Nierenersatzverfahren der Zukunft?

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