Ärzte Zeitung online, 26.01.2009

Besonders schonende Nierentransplantation soll Bereitschaft zur Lebendspende fördern

HALLE/SAALE (eb). Erstmals in Deutschland - möglicherweise sogar weltweit - wurde eine laparoskopisch entnommene Niere transplantiert, deren Spender eine andere Blutgruppe hat als der Empfänger. Die Mediziner vom Nierentransplantationszentrum des Universitätsklinikums Halle (Saale) erhoffen sich nun eine höhere Bereitschaft zu Lebendspenden.

Zwar werden Transplantationen zwischen Menschen unterschiedlicher Blutgruppen bereits seit 2005 in Deutschland durchgeführt. Doch zeigen sich die Wissenschaftler aus Halle stolz, zwei bahnbrechende Techniken miteinander kombiniert zu haben. Sie seien das erste Zentrum bundesweit, das ein laparoskopisch entnommenes Organ unterschiedlicher Blutgruppe transplantiert hat, hebt Professor Paolo Fornara hervor. Der Leiter des Nierentransplantationszentrums vermutet sogar, dass sie diese Kombination als erstes Zentrum weltweit durchgeführt haben.

Die Operation wurde bereits am 10. Dezember vorgenommen. Empfänger und Spender konnten den Ärzten zufolge bereits in die ambulante Betreuung entlassen werden. "Die Spenderniere arbeitet sehr gut", so Fornara.

Außerdem unterstrich er die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Poliklinik für Innere Medizin II (Nierenheilkunde). Ohne die dortige immunologische Vorbereitung des Patienten hätten sie keinen Behandlungserfolg gehabt, so Fornara.

Der Patient stand seit fast drei Jahren auf der Warteliste für ein Spenderorgan

Bei dem Patienten handelt es sich um einen 41-jährigen Mann. Er stand seit fast drei Jahren auf der Warteliste für ein Spenderorgan, da er an einer chronischen Nierenentzündung erkrankt war. Die Transplantation war der einzige Weg, um die Dialysepflicht beenden zu können.

Seine 44-jährige Schwester war die Spenderin. Nachdem sich allerdings herausgestellt hatte, dass beide unterschiedliche Blutgruppen haben (sie B positiv, er 0 positiv), mussten neue Wege beschritten werden.

Normalerweise würde ein Empfänger ein Spenderorgan mit einer unterschiedlichen Blutgruppe aufgrund vorhandener Antikörper unweigerlich abstoßen. Erst in den vergangenen Jahren konnte ein Verfahren entwickelt werden, das die blutgruppenungleiche Nierentransplantation ermöglicht. Mit einem speziellen Medikament werden die Zellen des Patienten, welche die Antikörper produzieren, ausgeschaltet. Vorhandene Antikörper werden mit einem speziellen Blutreinigungsverfahren ausgewaschen.

Einen Vorteil sehen die Ärzte außerdem in der laparoskopischen Nierenentnahme. Damit seien die Transplantationserfolge beim Empfänger besser, sind sie sich sicher. Außerdem seien dadurch die postoperative Belastung und die körperlichen Einschränkungen für den Spender deutlich geringer. Die Wunde beim Spender verheilt schneller und hinterlässt kosmetisch bessere Narben. Die entnommene Niere kann direkt von dem Entnahme-Operation in den Transplantations-Operation gebracht werden, so dass sie praktisch ohne kalte Lagerungszeit transplantiert wird.

Mit der blutgruppenungleichen Nierentransplantation hoffen die halleschen Ärzte, die Bereitschaft zur Lebendspende weiter steigern zu können. Denn die Zahl der Organe, welche hirntoten Spendern entnommen werden, kann die Zahl der benötigten Spenderorgane nicht decken. Bis zu sechs Jahre müssen Patienten in Deutschland auf eine Transplantation warten, noch immer endet für viele Patienten die Wartezeit tödlich, da kein passendes Organ gefunden werden konnte.

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