Ärzte Zeitung online, 02.04.2009

Auch ohne Kortison kein erhöhtes Risiko einer Abstoßung der Spenderniere

HEIDELBERG (eb). Nierentransplantierte Kinder und Jugendliche, bei denen ein Jahr nach der Transplantation die Behandlung mit Kortisonpräparaten abgesetzt wird, haben kein erhöhtes Risiko ihre neue Niere abzustoßen. Dies haben die Ein-Jahres-Ergebnisse einer laufenden Studie der Uniklinik Heidelberg ergeben.

Spenderorgane werden vom Immunsystem des Empfängers als Fremdkörper erkannt. Ohne eine gezielte Therapie würden sie von den Immunzellen angegriffen und zerstört. Die effektive, aber mit erheblichen Nebenwirkungen belastete Unter-drückung der Immunabwehr (Immunsuppression) mit Medikamenten bewirkt, dass nach fünf Jahren noch rund 80 Prozent der übertragenen Nieren funktionieren. Die Therapie besteht üblicherweise aus einer dreifachen Immunsuppression. Einer der Wirkstoffe ist ein Kortisonpräparat.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen sind die Nebenwirkungen der Präparate gravierend: Sie verursachen Bluthochdruck und in Folge häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hemmen das Wachstum, beeinträchtigen den Fettstoffwechsel und führen zur Gewichtszunahme. Viele Zentren, die transplantierte Kinder betreuen, stellen daher nach einer bestimmten Zeit auf eine Immunsuppression ohne Kortison um.

Ob dieses Vorgehen allerdings das Risiko der Organabstoßung erhöht, untersuchte erstmals ein Team aus Medizinern der Universitätsklinik Heidelberg (Transplantation, 87(6), 2009, 934). An der prospektiven Studie nahmen 42 Patienten zwischen drei und 17 Jahren aus ganz Deutschland teil.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten große Unterschiede zwischen der Patientengruppe, die eine Immunsuppression ohne Kortison erhielt, und der Kontrollgruppe. Die Patienten, bei denen das Kortisonpräparat abgesetzt wurde, holten im Wachstum auf, ihre Blutwerte verbesserten sich und sie benötigten deutlich weniger blutdrucksenkende Medikamente. Dagegen verschlechterten sich bei der Kontrollgruppe Blutdruck, Blutwerte und Wachstum weiter. Keine Unterschiede gab es dagegen bei der Organfunktion der Spendernieren, der Anzahl der Infekte und Abstoßungsreaktionen.

Für eine Umstellung eignen sich allerdings nicht alle Patienten. "Ist das Risiko einer Organabstoßung hoch oder sind bereits Abstoßungsreaktionen aufgetreten, sollten die Patienten weiterhin Steroide einnehmen", empfiehlt Professor Tönshoff von der Kinderklinik Heidelberg.

Abstract der Originalpublikation "Prospective, randomized trial on late steroid withdrawal in pediatric renal transplant recipients under cyclosporine microemulsion and mycophenolate mofetil"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »

Ein Wettbewerbsverbot ohne Entschädigung ist ungültig

Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung? Das geht nicht, urteilt das Bundesarbeitsgericht. Ist das im Arbeitsvertrag dennoch so vorgesehen, können Arbeitnehmer nachträglich aber kein Geld einklagen. mehr »