Ärzte Zeitung online, 06.01.2010

Neuregelung zur Organtransplantation in Israel wird kritisch gesehen

HEIDELBERG (eb). Mit einem neuen Gesetz, das zu Jahresbeginn in Kraft trat, ist Israel nun das erste Land, das Besitzer von Organspendeausweisen im Fall einer Organtransplantation bevorzugt. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) kritisiert das Gesetz.

Neuregelung zur Organtransplantation in Israel wird kritisch gesehen

Spenderorgane sind weiter Mangelware. © Destinyvp / fotolia.com

In Israel erhalten jetzt Patienten, bei denen eine Organtransplantation notwendig wird, schneller ein Organ, wenn sie seit mindestens drei Jahren einen Organspenderausweis besitzen. Dieses Privileg soll sogar auf die Ehepartner und engen Verwandten eines Organspendeausweisbesitzers übertragbar sein. Die DGfN steht dieser Regelung kritisch gegenüber.

Auch wenn diese Regelung in Fällen eines dringenden Organbedarfs (bei akut lebensbedrohlichen Erkrankungen von Herz, Lungen oder Leber) außer Kraft gesetzt wird und Minderjährige oder Personen, die wegen körperlicher oder mentaler Leiden nicht in der Lage, sind einen Ausweis zu beantragen, ebenfalls davon ausgenommen werden, sieht die DGfN das neue israelische Transplantationsgesetz kritisch: "Ein solches Gesetz birgt ethische Probleme, zumal Menschen, die aus ihrer religiösen Anschauung heraus die Organspende ablehnen, dadurch diskriminiert werden." Darauf wies Professor Jan Galle, Pressesprecher der Gesellschaft, in einer Mitteilung der DGfN hin. "Wichtiger als solche Strafmaßnahmen zu ergreifen, ist es, die Organspende durch eine umfassende Aufklärung und Information der Bevölkerung populärer zu machen und so die Menschen von der Dringlichkeit, sich pro Organspende zu entscheiden, zu überzeugen."

Zudem sei auch ungewiss, welchen Erfolg die Maßnahme haben wird und ob das Gesetz die Zahl der Organspender steigern werde, so Professor Linda Wright von der Universität Toronto.

Ähnlich argumentiert Galle: "Das israelische Gesetz kann man als Hilfeschrei deuten, denn in der Tat ist in Israel der Organmangel besonders eklatant. Ob diese drastische Maßnahme greift, bleibt aber abzuwarten. Denn ursächlich für den Organmangel sind nicht die Menschen, die sich bewusst gegen die Organspende entscheiden, sondern die große Zahl jener, die sich zeit ihres Lebens überhaupt nicht mit der Thematik auseinandersetzen und daher aus Gedankenlosigkeit bzw. Unbedachtheit keinen Organspendeausweis bei sich tragen. Die breite Bevölkerung ist unseres Erachtens auch nicht mit Druck und solchen indirekten Strafdrohungen zu mobilisieren. Wir setzen daher im Gegensatz zu Israel auf eine positive Öffentlichkeitsarbeit."

[09.01.2010, 12:24:17]
Uwe Schneider 
Gerechte Verteilung durch Gegenseitigkeit

Gegenseitigkeit ist nicht das einzige, aber doch ein wichtiges Gerechtigkeitsprinzip. Daher sollte man das israelische Gesetz nicht vorschnell verurteilen, sondern als mögliches Modell ansehen und beobachten wie es wirkt.

Probleme sehe ich eher in der praktischen Umsetzung: Wie verhindern, dass ein Bedürftiger nur kurzzeitig seine Spendebereitschaft erklärt, um ein Organ zum empfangen? Gerade in der Situation der akuten Transplantationsbedürftigkeit, dürfte ein Patient ohnehin kaum als Spender in Betracht kommen. Wie aber die nachhaltige Organspendebereitschaft nachweisen? zum Beitrag »

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