Ärzte Zeitung online, 22.11.2010

Nierenkranke profitieren von Cholesterin-Senkung mit Simvastatin und Ezetimib

Cholesterinsenkung zahlt sich auch bei Patienten mit Nierenerkrankungen aus. Wie die Daten der SHARP-Studie belegen, lässt sich bei ihnen durch Lipidtherapie mit einer Kombination aus Simvastatin und Ezetimib das Risiko für Koronarereignisse und Schlaganfälle signifikant reduzieren.

Von Peter Overbeck

Nierenpatienten profitieren von Cholesterin-Senkung

© PA / fotolia.com

DENVER. Ergebnisse dieser Studie, in der mehr als 9000 Patienten mit Nierenerkrankungen - darunter auch rund 3000 Dialyse-Patienten - beteiligt waren, sind jetzt beim Kongress "Renal Week" der American Society of Nephrology (ASN) in Denver vorgestellt worden.

Im Zeitraum von knapp fünf Jahren konnte durch Behandlung mit Simvastatin/Ezetimib (20 mg/10 mg, (im Präparat Inegy® verfügbar) die Inzidenz von schwerwiegenden "atherosklerotischen" Ereignissen (koronar bedingter Tod, Myokardinfarkt, nicht-hämorrhagischer Schlaganfall oder Revaskularisationen jeglicher Art) relativ um 17 Prozent im Vergleich zu Placebo signifikant reduziert werden (11.3 versus 13,4 Prozent).

Auch mit Blick auf schwerwiegende "vaskuläre" Ereignisse - der protokollgemäße primäre Endpunkt (kardialer Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall und Revaskularisationen jeglicher Art) - ergab sich eine signifikante Risikoreduktion um 15 Prozent (15,1 versus 17,6 Prozent).

Ausschlaggebend für die Reduktion von "atherosklerotischen" Ereignissen war eine jeweils signifikante Verringerung von nicht-hämorrhagischen Schlaganfällen (2,8 versus 3,8 Prozent) sowie von Revaskularisationen (6,1 versus 7,6 Prozent). Bei den schwerwiegenden Koronarereignissen gab es einen Trend zugunsten der Simvastatin/Ezetimib-Kombination (4,6 versus 5,0 Prozent).

Eine konsistente Reduktion von "atherosklerotischen" Ereignissen wurde sowohl in der Subgruppe der (noch) nicht dialysierten Nierenkranken (9,5 versus 11,9 Prozent) als auch in der Subgruppe der Dialyse-Patienten (15,0 versus 16,6 Prozent) beobachtet.

Weder bei der kardialen Mortalität (5,4 versus 5,9 Prozent) noch bei der vaskulär bedingten Mortalität (7,8 versus 8,4 Prozent) oder der Gesamtsterberate (24,6 versus 24,1 Prozent) gab es einen signifikanten Unterschied zwischen Verum- und Placebo-Gruppe. Rund zwei Drittel der registrierten 2275 Todesfälle waren nicht vaskulär bedingt.

SHARP ist die größte prospektive Studie zur Cholesterinsenkung bei Patienten mit Nierenerkrankungen und zugleich die bislang größte klinische Studie mit dem Cholesterinresorptionshemmer Ezetimib.

Insgesamt 9438 von Nephrologen betreute Patienten mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung sind in die Studie aufgenommen worden. Rund 3000 benötigten bereits eine Dialyse-Behandlung.

Gestartet wurde die Studie mit drei Behandlungsgruppen. ingesamt 8384 Patienten erhielten von Anfang eine Behandlung mit der Kombination Simavastatin/Ezetimib (20 mg/10 mg) oder Placebo. Weitere 1054 Patienten wurden zunächst zur Klärung von Sicherheitsfragen ein Jahr lang mit Simvastatin 20 mg behandelt, danach re-randomisiert und den beiden anderen Gruppen zugeteilt.

Patienten mit Myokardinfarkt oder koronarer Revaskularisation in der Vorgeschichte waren von der Studienteilnahme ausgeschlossen. Die Beobachtungsdauer betrug im Schnitt 4,90 Jahre.

SHARP ist die erste Studie, die einen Nutzen der Cholesterinsenkung bei Nierenkranken dokumentiert. In zwei vorangegangenen Studien (4D und AURORA) hatte sich mit einer reinen Statintherapie (Atorvastatin und Rosuvastatin) bei Dialyse-Patienten die Rate kardiovaskulärer Ereignisse nicht reduzieren lassen.

Beide Studien lieferten neue Erkenntnisse zur Häufigkeit spezifischer kardiovaskulärer Ereignisse und ihrer Beeinflussbarkeit durch Cholesterinsenkung bei Dialyse-Patienten. Folge war, dass das unabhängige "Steering"-Komitee der SHARP-Studie eine Modifikation des primären Studienendpunkts (schwerwiegende vaskuläre Ereignisse) für nötig erachtete.

Die gewünschte Änderung scheiterte aber am Veto des Studiensponsors Merck (in Deutschland MSD). Daraufhin kündigte das Komitee eine Änderung des "statistischen Plans" an, die eine "Umgewichtung" der Endpunkte mit stärkerer "Betonung" von "atherosklerotischen" statt von "vaskulären" Ereignissen vorsah.

Die Progression der Nierenerkrankung wurde durch die lipidsenkende Therapie mit Simvastatin/Ezetimib in SHARP nicht beeinflusst: Die Inzidenzraten für terminales Nierenversagen waren am Ende mit 33,9 Prozent (Lipidsenkung) und 34,6 Prozent (Placebo) in beiden Gruppen nahezu gleich.

Beruhigend sind die SHARP-Daten zur Sicherheit der Simvastatin/Ezetimib-Kombination bei Nierenkranken: Weder bei der Inzidenz von Krebserkrankungen noch bei der Häufigkeit von unerwünschten Effekten wie Myopathie oder Leberenzymerhöhungen gab es relevante Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Die Frage, welchen spezifischen Anteil Ezetimib als Komponente der lipidsenkenden Therapie an der präventiven Wirkung gehabt hat, lässt sich auf Basis der SHARP-Studie nicht beantworten.

Nur so viel ist sicher: Nach einem Jahr war die Senkung des LDL-Cholesterins mit Simvastatin/Ezetimib (- 43 Prozent) deutlich stärker als mit Simvastatin allein (- 30 Prozent).

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Die Frage nach der Kombination

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